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  Kritik an Bauprojekt der MABB in Babelsberg
Medienrat Hachmeister: Behörde sollte nicht Bauträger sein


Berlin/Potsdam (epd). Der Medienrat der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) Lutz Hachmeister und der Berliner Grünen-Politiker Volker Ratzmann haben den Bau eines Medienkompetenz- und Ausbildungszentrums durch die MABB in Potsdam-Babelsberg kritisiert. Ratzmann, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Berliner Senat, sagte dem epd am 12. November, bei dem Bauprojekt handle es sich um das "Verprassen von 6 Millionen Euro durch die MABB".

Er wünsche sich für die Hauptstadtregion eine sinnvollere Ausgabe von Geldern, sagte Ratzmann, beispielsweise indem man Internetkompetenz fördere. Hachmeister sagte, seiner Meinung nach sollten Behörden der Medienregulierung nicht Bauträger sein. Für das Zentrum wurde am 13. November der Grundstein gelegt.

Das Projekt des Ausbildungszentrums, das auf einer Baulücke am Nordeingang zur Medienstadt in Babelsberg entstehen soll, war 2008 bis zur Umsetzungsreife entwickelt worden. In seiner Sitzung vom 14. November 2008 hatte der Medienrat die Konzeption beschlossen und den Direktor der MABB, Hans Hege, ermächtigt, das dafür notwendige Grundstück zu erwerben nachdem zuvor auch Mietoptionen in Babelsberg geprüft worden waren. Die Staatskanzleien von Berlin und Brandenburg hatten sich mit dem Projekt einverstanden erklärt.

Ein Ideenwettbewerb, an dem mehrere Architekturbüros aus Berlin und Brandenburg teilnahmen, ergab einen Bau in zwei Bauabschnitten. Der erste Bauabschnitt umfasst ein Gebäude entlang der August-Bebel-Straße mit vier Geschossen und einer Tiefgarage mit rund 15 Stellflächen. Für den zweiten Bauabschnitt ist ein dreigeschossiges Gebäude an der Stahnsdorfer Straße vorgesehen, in dem weitere "Kooperationen und Synergien im Ausbildungsbereich geplant sind", wie es in einem Projektentwicklungspapier heißt, das dem epd vorliegt. Für die Realisierung des Projekts hat die gebührenfinanzierte MABB über die vergangenen Jahre insgesamt 5,9 Millionen Euro Rücklagen gebildet.

"Ort der Begegnung"

Geplant ist, das Gebäude im Februar 2011 in Betrieb zu nehmen. Es soll in erster Linie ein "Ort der Begegnung" werden. Ziel ist es, neue Ausbildungsangebote im Medienbereich zu schaffen, sowie Angebote für die Vermittlung von Medienkompetenz und Fortbildungen für die Förderung von Bürgerpartizipation zu entwickeln. Das Zentrum des Hauses soll ein Studio mit angegliederten Seminarräumen und einer Regie bilden, das von allen im Gebäude angesiedelten Initiativen genutzt werden kann.

Die MABB ist bereits Gesellschafterin der in Babelsberg angesiedelten Electronic Media School (EMS) und mit 350.000 Euro jährlich einziger Förderer des von der EMS verantworteten Ausbildungsprojekts Xen.on, das zurzeit noch in einer Baracke des Rundfunks Berlin Brandenburg (RBB) angesiedelt ist, die mittelfristig abgerissen werden muss. Die ARD-Anstalt ist an Xen.on nicht beteiligt. Nachdem die Berliner Senatskanzlei wegen des hundertprozentigen Engagements der MABB für Xen.on Bedenken angemeldet hatte, wurde der Medienstaatsvertrag 2009 novelliert und der Ausbildungsauftrag der MABB darin festgeschrieben. Das Ausbildungszentrum soll die Idee von Xen.on, das 2008 im Auftrag der MABB evaluiert und positiv bewertet wurde, aufgreifen und weiterführen.

Nach epd-Informationen war der Bau des Zentrums in der Planungsphase wegen der hohen Bausumme umstritten. Auch das Proporzdenken in der Berliner und Brandenburger Politik der vergangenen Legislaturperiode wurde kritisiert. So wurde das Gebäude unter anderem als Ausgleichsmaßnahme für die Reform des Offenen Kanals Berlin gesehen, mit der im Mai begonnen wurde.

"Keine Unwirtschaftlichkeit bekannt"

Der Sprecher des Berliner Senats, Richard Meng, verwies auf epd-Anfrage auf die Staatsferne der MABB. Landesregierungen sollten und dürften sich in Entscheidungen des Medienrats nicht einmischen, sagte Meng. Auch der Brandenburgische Regierungssprecher Thomas Braune nahm diese Haltung ein: In der Wahl der Mittel, wie sie eine im Medienstaatsvertrag verankerte Aufgabe umsetze, sei die MABB frei. "Sie ist in ihrer Abwägung zu dem Ergebnis gekommen, dass es wirtschaftlicher ist, die ihr übertragene Aufgabe in eigenen Räumen wahrzunehmen." An der Projektentwicklung sei der Berliner Rechnungshof beteiligt gewesen. Eine Kritik, die Maßnahme sei unwirtschaftlich, sei in Brandenburg nicht bekannt.

MABB-Direktor Hans Hege sagte dem epd, das Ausbildungszentrum bedeute ein "langfristiges Engagement" der Medienanstalt. Aufgaben zur Medienkompetenzförderung hätten sich im Laufe der Zeit verändert und würden sich weiter verändern. Anka Heinze, Referentin der MABB für Aus- und Weiterbildung, sagte, das Zentrum werde nicht "einfach mal so auf den märkischen Sand gebaut". Dahinter stecke die Überlegung, in Brandenburg nicht nur Fördermittel auszugeben, sondern für die mediale Ausbildung auch einen Ort anzubieten. Die MABB habe für die Realisierung des Projekts bewusst keine Fördermittel beantragt und trete auch nicht als Vermieter auf. Sie verwies zudem darauf, dass das Ausbildungszentrum nicht nur Brandenburg zugute komme. Ein Teil der Teilnehmer an Xen.on stamme aus Berlin, so Heinze.

Zur Grundsteinlegung sagte die Medienratsvorsitzende Jutta Limbach am 13. November, das Ziel des Zentrums sei es, "junge Menschen zu befähigen, kreativ und selbstverantwortlich mit Medien umzugehen". Der Potsdamer Oberbürgermeister Jan Jakobs sagte, es werde "einen wichtigen Beitrag leisten, um die Erfolgsgeschichte und den Mythos Babelsberg auch in Zukunft fortzuschreiben." Die MABB hat am 15. Oktober einen Namenswettbewerb für das Medienkompetenz- und Ausbildungszentrum ausgeschrieben. Einsendeschluss für Vorschläge ist der 15. Februar 2010. gaj






 
 

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