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  Editorial
Bezahlinhalte und Bürgerreporter. Spielregeln für die digitale Welt


epd  Je mehr die Digitalisierung voranschreitet, desto drängender werden die Fragen nach den Spielregeln für die digitale Welt. Wie kann das Urheberrecht geschützt werden? Wie können Verlage ihr Geschäftsmodell ins Internet hinüberretten, in dem sich die meisten an eine Kostenloskultur gewöhnt haben? Welche Funktion hat Journalismus in einer Welt, in der jeder überall twittert, was er sieht und macht? Wie stellen sich Medienhäuser auf die neue Multimedialität ein?

Die Medienwoche@IFA Anfang September in Berlin war geprägt von Debatten darüber, wie die rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen an die Realitäten der digitalen Welt angepasst werden können. Andreas Wiele, Vorstand Zeitschriften bei Axel Springer, erläuterte, warum der Verlag auf Paid Content setzt und zuversichtlich ist, dass es ihm gelingen wird, damit Geld zu verdienen. Wiele erinnerte daran, dass viele Nutzer längst daran gewöhnt seien, für digitale Inhalte wie Klingeltöne oder Spiele Geld zu bezahlen. Diese Nutzer müssten eben daran gewöhnt werden, auch für bestimmte Formen von Journalismus Geld zu bezahlen.

Auch die Fernsehsender bieten Inhalte im Internet gegen Bezahlung an. Marc Schröder, Geschäftsführer von RTL Interactive, zeigt sich zuversichtlich, dass die Nachfrage nach Videos im Netz steigen wird. Und - das freut die Privatsender - auch im Netz kann man mit Unterbrecherwerbung Geld verdienen. Zumindest arbeiten die Werbevermarkter von RTL zurzeit daran, die Werbungtreibenden davon zu überzeugen, dass neben den sogenannten Prerolls, den Werbeclips vor dem Film also, auch Midrolls, also Spots zwischendurch, eine fantastische Werbewirkung haben. In der Tat: Die Werbespots im Netz lassen sich meist nicht so einfach vorspulen wie auf dem Festplattenrecorder.

Marco de Ruiter, Geschäftsführer von MTV Networks North, plädierte für ein neues Urheberrecht. Der restriktive Charakter des Copyrights werde mehr und mehr zum Problem, so seine These. Er plädierte dafür, den Einzelnen nicht für seinen Medienkonsum zu kriminalisieren. Das Copyright müsse wie andere Eigentumsrechte auch behandelt werden.

Werden wir in Zukunft nur noch am Computer fernsehen, oder wird der TV-Bildschirm zum Homecomputer? Diese Frage ist nach Meinung von Gerhard Schaas, Vorstand Technik bei Loewe Opta, nicht entscheidend. Entscheidend sei vielmehr die leichte Bedienbarkeit der Medien der Zukunft: Die Interaktivität finde manchmal bereits dort ihre Grenzen, wo man nicht mehr mit der anderen Hand das Glas Rotwein halten könne.

Und was geschieht mit dem Journalismus in der digitalen Welt? Werden Bürgerjournalisten demnächst die Profis ersetzen? Dieser These erteilte Deborah Rayner von CNN International eine klare Absage. Rayner berichtete, wie CNN die Beiträge von Nutzern aus aller Welt nutzt, machte aber zugleich deutlich, wie wichtig es ist, dass professionelle Journalisten die Inhalte aus dem Web verifizieren und in einen Kontext stellen.

Wie sich ein Sender wie der RBB auf die Multimedialität einstellt, berichtete Programmdirektorin Claudia Nothelle. Der RBB, der als kleiner Sender mehr sparen muss als andere, hat am 1. Mai als erster Sender im ARD-Verbund seine Fernseh- und Hörfunkdirektion zusammengelegt. In fünf Abteilungen wird nun Programm für alle Ausspielwege produziert.

Thomas Langheinrich, Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten, gab zu bedenken, wie leichtfertig viele Bürger heutzutage ihre Daten im Internet preisgäben. 25 Jahre nach dem Kampf gegen die Volkszählung sei der "Große Bruder" in ganz anderer Form als damals befürchtet längst allgegenwärtig. Der Präsident der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg fordert, Kindern möglichst schon in der Schule beizubringen, worauf sie achten müssen, wenn sie sich im Internet bewegen, und wie sie es vermeiden, eine allzu deutliche Datenspur zu hinterlassen.

Wir veröffentlichen die Vorträge mit freundlicher Genehmigung der Autoren und danken dem Medienboard Berlin-Brandenburg für die tatkräftige Unterstützung.

Diemut Roether

aus epd medien Nr. 83 vom 21. Oktober 2009






 
 

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