Frankfurt a.M. (epd). Der Geschäftsführer der WAZ Mediengruppe, Bodo Hombach, hat sich für eine gemeinsame Initiative der Verlage ausgesprochen, Bezahlinhalte im Internet einzuführen. "Ein Journalismus, der nichts kosten darf, ist teuer bezahlt", schreibt Hombach in einem Gastbeitrag für epd medien (in dieser Ausgabe). Zuvor hatte der Vorstandsvorsitzende des Axel Springer Verlags, Mathias Döpfner, angekündigt, dass sein Haus Schritt für Schritt Bezahlmodelle für digitale Inhalte einführen wolle.
"Ohne unabhängigen, glaubwürdigen, investigativen Journalismus, der den Mächtigen auf die Finger sieht und den Pfusch am Bau der Gesellschaft enthüllen kann, ist eine freie und offene Bürgergesellschaft nicht denkbar", schreibt Hombach. Ohne Medienunternehmen, "die sich die Qualitätssicherung ihrer Produkte etwas kosten lassen und im Konfliktfall den Pressuregroups kompetent und gelassen Paroli bieten, kann unsere Demokratie nicht funktionieren". Diese Qualitätssicherung sei "nicht zum Nulltarif zu haben".
Der WAZ-Geschäftsführer schreibt, die Debatte über Bezahlinhalte müsse "medienpolitisch und sehr gründlich" aufgezogen werden. Die Initiativen müssten "aus den Medien und aus dem Netz selber kommen", nicht aus der Medienpolitik.
Hombach kritisiert, dass die "Gratis-Gewohnheiten im Internet" schon als "unwandelbar und selbstverständlich" gelten: "Man nutzt ja gern die aus der Zeitung gewohnte Qualität, aber man will sie für lau." Wenn Professionalität und geistige Leistung nicht refinanzierbar würden, könne der Internet-Journalismus nur verkommen. "Er verkommt auch, wenn er ausschließlich die Werbebanner schwingt", warnt Hombach. "Und ein tapsiger Laienjournalismus, der immer nur sich selber sendet, ist die Lebenszeit nicht wert, die man ihm widmet."
Döpfner hatte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (14. August) gesagt, die Verleger hätten "eine geradezu heilige Verantwortung, alles zu versuchen, um eine Wirtschaftsgrundlage für die digitale Welt zu schaffen". Dies sei auch im Interesse der Leser. Der Vorstandsvorsitzende von Springer sagte, er halte eine Verwertungsgesellschaft Print/Online für sinnvoll. Es könne nicht sein, "dass die einen für viel Geld wertvolle Inhalte erstellen und die anderen sie kostenlos kopieren und vermarkten".
Die Leser hätten "über Jahrhunderte bewiesen, dass sie bereit sind, für wirklich attraktive Inhalte Geld zu bezahlen", sagte Döpfner. Er kündigte an, dass Springer ab Herbst kostenpflichtige Angebote für das iPhone von Apple (sogenannte Apps) anbieten werde. Die Zahlungsbereitschaft bei Mobilfunkkunden sei groß. Jeder sei daran gewöhnt, für eine Kurznachricht Geld zu bezahlen. "Warum sollte das bei guten, einfach zu bedienenden Redaktionsangeboten, bei Spezialinhalten oder Exklusivmeldungen anders sein?"
Für die Regionalzeitungen des Konzerns kündigte Döpfner ein "Freemium-Modell" an: "Allgemeine Nachrichten sind für den Leser gratis, Premiuminhalte kosten Geld." Wer das Archiv oder den Staumelder nutzen wolle, müsse zahlen. Kürzlich hatte auch der internationale Medienunternehmer Rupert Murdoch angekündigt, dass er ab Herbst für seine Online-Auftritte bezahlte Angebote einführen wolle (epd 63/09). dir