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PR - Klartext. Ein Wörterbuch für Journalisten


(epd). epd  Zugegeben: Pressesprecher machen das Leben für Journalisten in vielen Punkten leichter. Nicht immer aber drücken sie sich besonders deutlich aus. Daher hier eine kleine Sammlung gängiger PR-Floskeln - und was sie wirklich bedeuten.

PR-Sprech: Unser Pressesprecher ist gerade in einem Meeting. Kann er Sie zurückrufen?

Klartext: Unser Chef sitzt gerade gemütlich am Schreibtisch und trinkt seinen 15. Kaffee. Wir stellen Journalisten grundsätzlich nicht direkt durch. Wir wollen erst einmal wissen, worum es geht, damit wir uns inhaltlich vorbereiten können. Wenn uns die Frage nicht passt, melden wir uns auch erst nach Redaktionsschluss bei Ihnen oder wenn die Börsen schon geschlossen haben.

PR-Sprech: Können Sie die Anfrage schriftlich stellen?

Klartext: Stellen Sie die Anfrage schriftlich! Dann können Sie keine kritischen Nachfragen stellen. Außerdem haben wir sowieso schon eine Stellungnahme vorbereitet und wollen sichergehen, dass in allen Zeitungen auch wirklich Wort für Wort dasselbe steht. Fernsehinterviews geben wir eigentlich gar nicht, die Kollegen von "Zapp" haben das ja ein paarmal versucht...

PR-Sprech: Zu Gerüchten geben wir grundsätzlich keine Stellungnahme ab.

Klartext: Was Sie da sagen, trifft natürlich voll ins Schwarze. Aber die Angelegenheit ist für uns doch ein wenig peinlich. Deshalb reden wir von Gerücht - in der Hoffnung, irgendein Journalist fällt drauf rein, denkt sich: "alles gelogen" - und schreibt keine Zeile.

PR-Sprech: "Wir melden uns so schnell wie möglich."

Klartext: Wir melden uns, wenn es uns passt. Und das hängt davon ab, welches Interesse wir daran haben, dass ein Statement von uns zu dem Sachverhalt erscheint oder nicht.

PR-Sprech: Zu einem laufenden Gerichtsverfahren sagen wir grundsätzlich nichts.

Klartext: Wir würden schon etwas sagen, wenn wir genau wüssten, dass es uns nützt. Aber wir wollen erst mal sehen, was da bei Gericht so alles rauskommt. Wenn wir Glück haben, bleibt einiges im Dunkeln - und da wollen wir jetzt nicht vorpreschen.

PR-Sprech: Das können wir weder bestätigen noch dementieren.

Klartext: Sie haben ins Schwarze getroffen. So wie Sie es sagen, ist das richtig. Aber wir wollen da nicht als Quelle auftauchen. Warum, wissen wir eigentlich selber nicht, aber das machen alle so.

PR-Sprech: Zu Vertragsinterna geben wir grundsätzlich keine Auskunft.

Klartext: Das ist natürlich eine Schweinerei, dass so ein Volksmusikmoderator bei uns 20 Millionen Euro in fünf Jahren kassiert und wir gleichzeitig unsere Auslandsberichterstattung vor die Wand fahren lassen. Deshalb hat ja auch einer aus unserem Haus Ihnen den Vertrag zugespielt. Aber wenn wir das jetzt zugeben, hetzt der Schlagerfuzzi uns Christian Schertz auf den Hals - und dann zahlen wir noch mal 20 Millionen und müssen unsere lieb gewonnen Spartensender dichtmachen.

PR-Sprech: Unser EBITDA liegt bei 20 Millionen Euro, unser Unternehmen ist kerngesund.

Klartext: Wir sind komplett unrentabel. Wenn wir rentabel wären, würden in unseren Berichten nicht das EBITDA so hervorheben, sondern vielleicht das EBIT oder das Ergebnis. Aber so ein Journalist hat ja von Wirtschaft keine Ahnung, und solange ein Plus vor der Zahl steht, klingt das gut. Wenn die Geschäfte noch schlechter laufen und sogar das EBITDA ins Minus rutscht, erfinden wir einfach eine neue Kennziffer und nennen sie EBA (earnings before anything).

PR-Sprech: Unser Vorstand hat den Aufsichtsrat heute gebeten, ihn von seinen Aufgaben zu entbinden. Dieser Bitte hat der Aufsichtsrat entsprochen. Wir wünschen unserem Vorstand für seine weitere Zukunft alles Gute.

Klartext: Wir mussten den Typen quasi mit Gewalt aus dem Büro tragen, so hat der sich gewehrt.

PR-Sprech: Wir haben frühzeitig reagiert und uns intensiv um die Aufklärung der Affäre bemüht.

Klartext: Eigentlich haben wir erst mal einen großen Teppich über die ganze Angelegenheit geworfen und gehofft, dass der ganze Dreck schön drunterbleibt. Gut, hat nicht geklappt. Dann haben wir einfach jeden Morgen in die Zeitung geguckt, was die Journalisten schon rausgefunden haben - und anschließend eine Pressemitteilung rausgegeben, in der wir genau das bekanntgegeben haben, was schon bekannt ist. Sie hatten das neulich so schön als Salamitaktik umschrieben. hen





 
 

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