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Schiedsrichter des Akzeptablen. Obama und McCain spielen 0:0


epd Macht er mit, oder bleibt er in Washington? Extradrama vor der US-amerikanischen Präsidentschaftsdebatte am Freitag. Der Republikaner John McCain warnte, er werde vielleicht nicht zum Fernsehduell mit Barack Obama antreten: Er habe seinen Wahlkampf "suspendiert", um in Washington am Bankenrettungsplan mitzuwirken. Die Pflicht rufe. Edel ist der Mensch, hilfreich und gut. Laut "Washington Post" herrschte aber Chaos unter McCains Beratern.

Kommentare in Presse und Fernsehen berichteten so, als sei die Drohung ernstzunehmen. Obwohl das Statement von der Suspendierung schlicht und einfach nicht zutraf - McCains Werbespots liefen weiter, er gab Interviews, auch seine Wahlbüros blieben offen. Zumal McCain bei den Rettungsplan-Verhandlungen keine Rolle gespielt hatte und er bei Wirtschaftsfragen nicht eben als die hellste Lampe gilt. Vor ein paar Monaten räumte der republikanische Kandidat selbst ein, er verstehe die Wirtschaft nicht so gut, "wie ich sie verstehen sollte".

Natürlich kam der laut Umfragen zurückliegende McCain doch zum Duell in Oxford in Mississippi, wo die Fernsehkameras standen und auf rotem Teppich und vor blauem Hintergrund die beiden Rednerpulte. Und wo Moderator Jim Lehrer wartete, der 74-jährige Chef der abendlichen "NewsHour" im PBS, dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen der USA. Lehrer, der schon zehn Kandidatenduelle moderiert hatte, ist Inbegriff der Ausgewogenheit. Die "NewsHour" hat Zeit für ganze Sätze und komplizierte Gedanken. Gäste dürfen ausreden, und man nimmt in Kauf, dass sich die Sendung gelegentlich im Schneckentempo bewegt.

Freilich schaut Lehrer nur selten über den Tellerrand. Seine Gesprächspartner sind in der Regel Männer, die irgendwann mal einen Posten in der Regierung hatten oder die an Schreibtischen sitzen in den sogenannten Think Tanks, wo man mit dem Geld von Konzernen und Stiftungen Gedanken zu Papier bringt. Wer Meinungen vertritt, die in dieser Welt als nicht akzeptabel gelten, hat kaum Chancen auf ein Mikrofon in der "NewsHour": Beim Erörtern des Irakkriegs kommen Politiker und Militärs zu Wort, aber keine Vertreter der Antikriegsbewegung, die den sofortigen Truppenabzug fordern.

In Oxford stellte Lehrer, Schiedsrichter des Akzeptablen, seine Ausgewogenheit einmal mehr unter Beweis. Barack Obama und John McCain durften gleich lang reden. Lehrers Fragen werden die Kandidaten nicht überrascht haben. Gelegentlich hakte der Moderator allerdings nach, wenn die beiden keine konkreten Antworten gaben - etwa auch bei der Frage, welche Programme sie kürzen würden, sollte der Bankenrettungsplan hunderte Milliarden Dollar verschlingen.

"Presidential debates" haben eine festgefahrene Dramaturgie. Zuvor bestimmen die "Experten", was die Kandidaten erreichen müssen: Der relativ junge Obama müsse wie ein Präsident aussehen, McCain dürfe nicht zu alt erscheinen, nicht zu grantig auftreten und müsse sich von George W. Bush distanzieren. Sofort nach der Debatte erklären die Experten den Zuschauern, was sie eben gesehen haben. Die Debatte wird besprochen wie ein Sportereignis. Image und Präsentation sind ebenso wichtig wie Inhalte.

McCain und Obama lieferten konflikthungrigen Analysten schwaches Material, ein mattes Null zu Null: Keine großen Höhepunkte, keine dicken Fehler und Dummheiten, kaum wirklich Neues. Und schon gleich gar kein K.o.-Schlag. Einmütig urteilten die Kommentare und die Leitartikel, der Event sei "unentschieden" ausgegangen. Bei Blitzumfragen unter Zuschauern bei CNN und CBS lag allerdings Obama vorne.

Nach der Debatte wurden die PR-Sprecher der Kampagnen interviewt, in einem Ritus, den der CBS-Reporter Jeff Greenfield als das "lächerlichste, nutzloseste Element der gesamten Kampagne" verspottet hat. Zu niemandes Überraschung erklärten beide Seiten, ihr Mann habe besser abgeschnitten. Etwas peinlich für McCain war, dass seine "suspendierte" Kampage schon Stunden vor dem Event versehentlich eine Internet-Anzeige geschaltet hatte mit der Behauptung, McCain habe die Debatte gewonnen.

Wesentlich mehr Spannung und Unterhaltung verspricht am Donnerstag die Debatte zwischen den Vizepräsidentschafts-Kandidaten Joseph Biden und Sarah Palin. Die republikanische Gouverneurin von Alaska hat als Kandidatin erst drei Fernsehinterviews gegeben - und das letzte bei CBS total in den Sand gesetzt mit der These, sie habe außenpolitische Erfahrung, weil man von Alaska aus Russland sehen könne. Moderatorin ist Jim Lehrers "NewsHour"-Kollegin Gwen Ifill. Angeblich darf sie fragen, was sie will. ege





 
 

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