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  Nordkorea ist Schlusslicht in Sachen Pressefreiheit
"Reporter ohne Grenzen" legt Ranking vor - Deutschland schlechter platziert als 2004


Berlin (epd). In Nordkorea ist die Pressefreiheit weltweit am stärksten eingeschränkt. Der totalitäre Staat unter Führung von Kim Jong-Il sei wie im vergangenen Jahr das Schlusslicht der aktuellen Rangliste, teilte Reporter ohne Grenzen am Mittwoch mit. Für das Ranking, das zum vierten Mal vorgelegt wurde, hatte die Menschenrechtsorganisation die Situation in 166 Ländern ausgewertet. Deutschland landete auf dem 18. Platz (2004: Platz 11).

In Eritrea und Turkmenistan sei die Situation ähnlich kritisch wie in Nordkorea, erklärte Reporter ohne Grenzen weiter. In diesen Ländern gebe es weder unabhängige Medien, noch sei freie Meinungsäußerung möglich. Journalisten könnten dort lediglich die Staatspropaganda wiedergeben, und jegliches Abweichen werde hart geahndet. Ein falsches Wort, ein Tippfehler oder ein Kommentar, der geringfügig neben der offiziellen Linie liege, könnten zu ständiger Überwachung, Schikane oder gar Gefängnis führen.

Verbessert habe sich die Situation in einigen afrikanischen und lateinamerikanischen Staaten: Unter den ersten 50 seien Benin, Namibia, El Salvador, Kap Verden, Mali, Costa Rica und Bolivien. Tunesien, das im November Gastgeber des UNO-Weltgipfels zur Informationsgesellschaft sein wird, liegt dagegen immer noch weit hinten in der Rangliste (Platz 147). Im Vorjahr war der nordafrikanische Staat auf Platz 152 gelandet.

USA und Frankreich rutschen ab
Besonders in Ost- und Zentralasien sowie im Nahen Osten sei es schwierig, unabhängig zu berichten. In Myanmar, China, Vietnam, Usbekistan, Afghanistan, Irak, Syrien und Iran verhinderten repressive Regierungen oder gewalttätige Übergriffe bewaffneter Gruppen häufig eine freie Berichterstattung. Der Irak sei wegen der zunehmend unsicheren Situation für Journalisten weiter in der Rangliste abgerutscht (Platz 157). Seit Kriegsbeginn im März 2003 seien dort 72 Medienmitarbeiter getötet worden.

Westliche Demokratien mussten im Vergleich zum Vorjahr einige Ränge einbüßen. So fielen die USA vom 23. auf den 44. Platz zurück, weil dort der Quellenschutz zunehmend untergraben werde. Auch die Beugehaft gegen die "New York Times"-Reporterin Judith Miller habe zur negativen Bewertung beigetragen. Frankreich ist von Rang 19 auf Platz 30 zurückgefallen. Hier seien Redaktionsräume durchsucht, Journalisten verhaftet und sowie die Liste von Pressedelikten erweitert worden. Das Abrutschen Deutschlands auf Platz 18 sei unter anderem in der Telefonüberwachung eines Dresdner Journalisten und in der Durchsuchung der Redaktionsräume von Labournet.de begründet.

An der Spitze der Rangliste stehen wie im vergangenen Jahr die nordeuropäischen Länder (Dänemark, Finnland, Irland, Island, Norwegen, Niederlande). Dort sei die Pressefreiheit fest verankert. Die zehn Erstplatzierten sind europäische Länder. An der Spitze der anderen Kontinente stehen Neuseeland (Platz 12), Trinidad und Tobago (ebenfalls Platz 12), Benin (Platz 25) und Südkorea (Platz 34).

Mehrere arme Länder unter den ersten 60
Auch zahlreiche Länder, die erst in den vergangenen Jahren unabhängig oder wieder unabhängig wurden, respektierten die Pressefreiheit. Damit widerlegten sie die häufig aufgestellte Behauptung, der Aufbau einer Demokratie dauere Jahrzehnte, stellte Reporter ohne Grenzen fest. Neun Staaten aus dieser Gruppe seien unter den ersten 60: Slowenien, Estland, Lettland, Litauen, Namibia, Bosnien-Herzegowina, Mazedonien, Kroatien und Ost-Timor.

Die These, nach der die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes unabdingbar sei für Demokratie und Menschenrechte, lässt sich nach Meinung der Organisation anhand des aktuellen Rankings nicht belegen. Zwar führten überwiegend reiche Länder die Rangliste an, doch seien auch Länder mit einem Bruttoinlandsprodukt unter 1.000 US-Dollar (im Jahr 2003) unter den ersten 60 zu finden. Dazu gehören Benin (Platz 25), Mali (Platz 37), Bolivien (Platz 45), Mosambik (Platz 49), Niger (Platz 57) und Ost-Timor (Platz 58).

Reporter ohne Grenzen hatte sich für das Ranking mit jeweils 50 Fragen zur Situation in den Ländern an Organisationen gewandt, die sich weltweit für Pressefreiheit einsetzen. Außerdem befragte sie ihr Korrespondenten-Netzwerk sowie Journalisten, Rechercheure, Juristen und Menschenrechtler.  

rid

epd-medien 83/05





 
 

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