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  ProSiebenSat.1: Schleichwerbung "vom Bildschirm verbannen"
Keine personellen Konsequenzen - Lob für Schawinski - Auch RTL betroffen


München (epd). Die private Senderfamilie ProSiebenSat.1 Media AG hat eingeräumt, dass es im Programm von Sat.1 zu unerlaubter Schleichwerbung gekommen ist. Eine interne Arbeitsgruppe habe jedoch auch festgestellt, dass "der weitaus größte Teil" von Beiträgen im Frühstückfernsehen und in den Regionalfenstern von Sat.1 nicht zu beanstanden sei, teilte das börsennotierte Medienunternehmen am 10. Oktober mit.

Illegales Product-Placement dürfe "keine Grauzone mehr sein", erklärte der Vorstandsvorsitzende Guillaume de Posch. Der Medienkonzern entwickle derzeit neue Richtlinien für Mitarbeiter und Auftragsproduzenten, um eine Wiederholung bezahlter Berichterstattung zu verhindern. In konzerninternen "Leitlinien zur Sicherung der journalistischen Unabhängigkeit" soll jetzt "noch deutlicher" herausgestellt werden, "dass wir uns zu einer klaren Trennung von redaktioneller Berichterstattung und Veröffentlichungen zu werblichen Zwecken bekennen", so de Posch.

Personelle Konsequenzen werde es auf Grund der derzeitigen Sachlage nicht geben. In Presseveröffentlichungen war insbesondere der frühere Sat.1-Geschäftsführer Jürgen Doetz als Hauptverantwortlicher kritisiert worden. Doetz ist heute noch Berater von ProSiebenSat.1 sowie Präsident des Verbands Privater Rundfunk und Telekommunikation.

Nach den Feststellungen der Arbeitsgruppe, in der auch externe Rechtsanwälte mitgewirkt hatten und die ihre Arbeit fortsetzen soll, kam es in der Vergangenheit insbesondere in Programm-Zulieferungen der Produktionsunternehmen Worldcom und Connect TV zu unzulässigen Platzierungen von Produkten. ProSiebenSat.1 hob hervor, sämtliche Geschäfte mit Worldcom seien bereits Ende des Jahres 2004 durch das Management von Sat.1 beendet worden. Die Geschäftsverbindung zu Connect TV stelle Sat.1 ab sofort ein.

Vorstandschef de Posch betonte, Roger Schawinski als Geschäftsführer von Sat.1 gehe "schon seit einiger Zeit" gegen Product-Placement vor. Die ProSiebenSat.1-Gruppe werde das Ihre dazu tun, "Schleichwerbung vom Bildschirm zu verbannen". Gefordert sei aber auch die Politik sowie die Europäische Kommission, die klare rechtliche Rahmenbedingungen schaffen müssten.

Zulieferungen von Camp TV in der Kritik
Der Medienkonzern kündigte weiter an, sein Sender Sat.1 werde die Ergebnisse des Prüfberichts auch der zuständigen Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz (LMK) darlegen. Zur bisherigen Zusammenarbeit mit dem bayerischen Regionalfensterveranstalter Camp TV stellte ProSiebenSat.1 fest, Camp TV sei seit 1994 lizenzierter Vertragspartner für die Regionalfenster von Sat.1. Der Vertrag sehe ein Kündigungsrecht für das Abkommen über die Verschiebung des Fensterprogramms vor. Hiervon habe das Management von Sat.1 im Juni diesen Jahres Gebrauch gemacht.

Von den Geschäftspraktiken von Camp TV soll auch RTL betroffen sein. Wie der "Spiegel" am 10. Oktober berichtete, soll der Regionalveranstalter auch in dem von ihm für RTL produzierten Bayern-Fenster Produkte gegen Bezahlung unterbracht haben. Camp TV, das u.a. dem ehemaligen Münchener CSU-Schatzmeister Ralph Burkei gehört, sei schon Anfang der 90er Jahre mehrfach wegen Schleichwerbung aufgefallen.

Die aufsichtführende Bayerische Landeszentrale für neue Medien dementierte indes Vorwürfe, sie sei untätig geblieben. Ihrer Darstellung nach hat sie z.B. im von Camp TV produzierten "Bayern-Journal" auf Sat.1 allein 1997 zehn Fälle beanstandet. Der Veranstalter habe einem entsprechenden BLM-Bescheid widersprochen, bis man sich im März 2002 auf dem Vergleichswege auf eine Anerkenntnis der BLM-Grundsätze für Trennung von Werbung und Programm geeinigt habe. Seither habe es keinen Anlass zu weiteren Schritten gegen Camp TV gegeben. Nun aber werde das Programm des Münchener Regionalfensterveranstalters "verschärft" und nicht nur stichprobenweise beobachtet.

RTL erklärte auf epd-Anfrage am 11. Oktober, man habe die BLM in der Vergangenheit mehrfach auf das Grundproblem hingewiesen, dass man als Hauptprogrammveranstalter keinen inhaltlichen Einfluss auf die Zulieferung aus Bayern habe. Laut Sprecher Christian Körner hat RTL dabei auch die Frage aufgeworfen, ob Medienunternehmer Burkei mit Camp TV der richtige Partner sei.  

lili

epd-medien 80/05 vom 12. Oktober 2005






 
 

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