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  Arzneihersteller und Apotheker ließen in der ARD schleichwerben
Versicherungswirtschaft mit höchstem Einzelbetrag - Auch Wold Vision zahlte


Stuttgart (epd).   In der ARD-Serie "Marienhof" haben vor allem Interessenverbände schleichwerben lassen. Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) habe mit 208.607 Euro den höchsten Einzelbeitrag gezahlt, geht aus einer Kundenliste für die Jahre 2002 bis 2005 hervor, die die ARD am 13. September in Stuttgart veröffentlichte. Demnach ließ der Verband in der Fernsehserie verschiedene Versicherungsfälle mittels der Serienfigur "Corinna" im Dialog thematisieren.

Stammkunde im "Marienhof" war der Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller in Verbindung mit der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Beide zusammen zahlten nach Feststellung von beauftragten Wirtschaftsprüfern im Jahr 2002 173.839 Euro, damit Apotheken in der Serie als "fachkompetent" herausgestellt und den Zuschauern die "Selbstmedikation", also der Kauf apotheken-, nicht aber verschreibungspflichtiger Arzneimittel, nahe gebracht wurde. Im vergangenen Jahr waren die beiden Verbände den Feststellungen zufolge nochmals dabei und engagierten sich mit 93.500 Euro.

Selbst im laufenden Jahr wurden laut Prüfbericht noch fünf Apotheken-Placements für 46.750 Euro untergebracht, bevor die verbotene programmintegrierte Werbung durch einen epd-Bericht aufgedeckt wurde. Die Gesellschafter der verantwortlichen TV-Produktionsfirma Bavaria Film (die ARD-Anstalten WDR, SWR, MDR, BR u.a.) hatten daraufhin Wirtschaftsprüfer und die Inneren Revisionen der Sender eingeschaltet, um die Affäre aufzuklären. Nach personellen Konsequenzen, darunter mehrere fristlose Kündigungen bei der Bavaria (epd 52/05), wurde nun auch die bislang unter Verschluss gehaltene Kundenliste der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Wie von epd schon berichtet, hat sich auch das Kinderhilfswerk World Vision an den Praktiken beteiligt. Die Organisation zahlte 2003 und 2004 laut ARD-Liste jeweils 15.300 Euro, damit ihr Konzept von Kinderpatenschaften in der Fernsehserie beworben wurde. World Vision hatte mehrfach dementiert, dafür jemals Geld gezahlt zu haben. Bestätigt ist nun auch der Fall L'tur. Für 76.500 Euro hatte der Reisevermarkter sein Konzept des Last-Minute-Buchens 2003 über mehrere Wochen hinweg serienintegriert bewerben lassen.

INSM: ein "Marienhof"-Thema für 58.670 Euro

Auch die neoliberale "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" (INSM) zählte zu den Placement-Kunden der Bavaria Film und der vorgeschalteten Agentur Kultur+Werbung bzw. H.+S. Unternehmensberatung. Laut ARD-Liste wurde das Thema "Neue soziale Marktwirtschaft" im Jahr 2002 sieben Mal für 58.670 Euro platziert. Thematisch soll es dabei um "Wirtschaft, schlanker Staat, Steuern etc." gegangen sein. "Kooperationspartner nicht bekannt", heißt es ergänzend im internen ARD-Bericht, der den Intendanten der Rundfunkanstalten bei ihrer jüngsten Sitzung in Stuttgart vorlag. ISNM-Geschäftsführer Dieter Rath bestätigte dem epd am 13. September, dass es sich dabei um die Initiative gehandelt habe. Die Themenauswahl habe "dem Bildungs- und Informationsauftrag des öffentlich-rechtlichen Fernsehens" entsprochen. Die beauftragte Agentur habe versichert, die Kooperation werde "von der ARD uneingeschränkt mitgetragen".

Möglicherweise flossen auch Steuergelder in die Schleichwerbegeschäfte der Bavaria Film. Für das Jahr 2004 ist ein Vorgang dokumentiert, bei dem 46.750 Euro für die Idee der "Existenzgründung durch Förderung des Bundes" gezahlt wurden. Dies sei mittels der Serienfigur "Luna", die für die Eröffnung eines Fitnessstudios ein Existenzgründerdarlehen erhielt, umgesetzt worden. "Kooperationspartner nicht bekannt", notierte die ARD-Clearingstelle für die Trennung von Programm und Werbung dazu.

Deren Prüfbericht für die ARD-Intendanten bilanziert auch festgestellte Schleichwerbefälle in der Krankenhausserie "In aller Freundschaft" (für insgesamt 43.459 Euro), bei Produktionen der Maran Film für den SWR (gut 97.000 Euro) und in verschiedenen Produktionen der Bavaria-Tochter Colonia Media für den WDR. In Sendungen wie "Fahnder", "Schimanski" und "Tatort" wurden demnach von 1997 bis 2005 Placements im Wert von knapp 333.000 Euro untergebracht. Geworben wurde dem ARD-Prüfbericht zufolge für Marken wie German Parcel, Red Bull, O2, Plus und Telekom, aber auch für Produktgruppen wie Ouzo und Bier.

lili

epd medien Nr. 72, 14. September 2005






 
 

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