Washington (epd). Als Antwort auf den arabischen Sender Al Dschasira hat die amerikanische Regierung jetzt "Al Hurra" (Der Freie) ins Rennen geschickt. Mit dem Satellitenkanal in arabischer Sprache wollen die USA "der Hasspropaganda begegnen, die den Äther der muslimischen Welt füllt", sagte US-Präsident George W. Bush. Der Kongress hat für den Kanal 62 Millionen Dollar bewilligt.
"Al Hurra" wurde am 14. Februar mit einem Bush-Interview eröffnet, in dem der Präsident sich optimistisch über die Lage im Irak zeigte. "Wir sind noch nicht einmal ein Jahr im Irak", sagte er, "und schon gibt es enorme Fortschritte." Die Menschen im Irak hätten jetzt damit begonnen, über die Demokratie zu sprechen, "an der Oberfläche" seien erste Ansätze einer freien Gesellschaft sichtbar.
Zuvor waren dunkle Räume zu sehen, in denen Männer und Frauen symbolisch die Fenster öffnen, um Licht und Freiheit hereinzulassen. Auch zwischen den einzelnen Sendebeiträgen werden, so der Kairoer "Guardian"-Korrespondent, Clips mit eindeutig symbolischer Botschaft platziert wie ein Augenlid in Nahaufnahme, das sich langsam öffnet, und wilde Pferde, die frei herumtoben.
Der Sender untersteht dem Broadcasting Board of Governors, einer Behörde, die auch die Voice of America beaufsichtigt, und soll "frei von Regierungseinfluss" sein. Anfänglich werden vierzehn Stunden am Tag gesendet, in einem Monat soll er rund um die Uhr zu empfangen sein. Sein Ziel sei es, "glaubwürdigen und unabhängigen Journalismus" anzubieten.
In einer ersten Gesprächsrunde hatten arabische Journalisten die Frage diskutiert, ob "Al Hurra" dieses Ziel tatsächlich erreichen könne. Ein Libanese bejahte die Frage, der Sender werde die ungeschminkten Fakten wie die "Washington Post" berichten, während ein anderer Teilnehmer laut BBC sagte, was immer Al Hurra auch mache, er könne nicht die Tatsache aus der Welt schaffen, "dass die Vereinigten Staaten Israel, den Feind der Araber, unterstützen".
Reaktionen auf Al Hurra, die der Konkurrent Al Dschasira unter palästinensischen Intellektuellen, Journalisten und Akademikern gesammelt hat, lassen sich, so der Sender, mit dem Satz zusammenfassen: "Es wird Al Hurra nicht gelingen, Amerikas hässliches Gesicht schöner zu machen."
"Die Amerikaner glauben, dass wir sie hassen, weil wir keine akkuraten Informationen über die Realitäten der amerikanischen Politik bekommen", wird ein Medienwissenschaftler zitiert. "Das ist nicht richtig. Amerikas Image ist hässlich, weil Amerikas Politik und Handlungen hässlich sind. Amerika kann nicht in dieser Weise handeln und erwarten, dass die Araber und Muslime es dafür lieben."
Auch ein Politikwissenschaftler sprach von dem "hoffnungslosen Versuch, ein hässliches Gesicht weniger hässlich, wenn nicht gar hübsch zu machen". Er befürchtet außerdem, dass die "wahre Gefahr" nicht von den amerikanischen Nachrichtensendungen ausgehen werde, sondern von der "hidden agenda", der eigentlichen Absicht, den "zügellosen westlichen Lebensstil" in arabische Köpfe zu tragen. "Ich denke, sie werden versuchen, für Promiskuität zu werben und alle anderen Formen von Unmoral, aber das würde nur jene bestätigen, die sagen, dass die Raison d'être des Senders darin besteht, die islamische Kultur und die islamischen Werte zu unterwandern."
gz
epd medien Nr. 12-13, 21. Februar 2004