Soziales
Wohlfahrtsverbände: Talente von Langzeitarbeitslosen stärken
Düsseldorf (epd). Die Freie Wohlfahrtspflege in Nordrhein-Westfalen fordert, bei der Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen ihre Fähigkeiten und Talente zu stärken. Die bisherigen Förderinstrumente wirkten bei vielen Menschen nicht, sagte der Vorstand der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe, Christian Heine-Göttelmann, am Dienstag auf einer Fachtagung der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege in Düsseldorf. "Wir brauchen Angebote, die es den Menschen ermöglichen, wieder Selbstbewusstsein aufzubauen und ihre Talente zu entdecken."

Trotz der guten Arbeitsmarktlage in Deutschland seien 290.000 Menschen seit mehr als einem Jahr arbeitslos, erklärte die Arbeitsgemeinschaft. Ein Drittel von ihnen habe ohne individuelle Hilfen kaum Chanchen auf dem Arbeitsmarkt. Langzeitarbeitslose gerieten leicht in eine Spirale aus erfolglosen Bewerbungen und kurzfristigen Qualifizierungsmaßnahmen, warnten die Wohlfahrtsverbände. Ein großer Teil werde dadurch psychisch krank.

"Nicht der Markt, sondern der Mensch mit seiner Würde und seinen Fähigkeiten muss wieder in den Mittelpunkt rücken", forderte Heine-Göttelmann. Soziale Teilhabe sei nicht nur ein wirksamer Schutz gegen Krankheit und Vereinsamung, sondern auch gegen Rechtspopulismus.

Auf der Tagung mit rund 150 Arbeitsmarktexperten wurden auch Praxisbeispiele für die Förderung langzeitarbeitsloser Menschen vorgestellt. So sprach Werner Lüttkenhorst vom Paritätischen Wohlfahrtsverband NRW über den sogenannten "Befähigungsansatz". "Nach Jahren der Arbeitslosigkeit, unzähliger erfolgloser Bewerbungen und zum Teil als sinnlos empfundenen Trainings trauen sich viele Menschen kaum noch etwas zu, sind deprimiert, krank und ohne Selbstvertrauen", sagte Lüttkenhorst. In den vier- bis sechsmonatigen Kursen könnten sie durch Gruppenarbeit und Coachings ihre eigenen Fähigkeiten wieder entdecken.

In der Landesarbeitsgemeinschaft sind die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege in Nordrhein-Westfalen zusammengeschlossen. Dazu gehören neben der Diakonie und dem Paritätischen die Caritas, die Awo, das Deutsche Rote Kreuz und die Jüdischen Gemeinden.