Ethik
Welthungerhilfe fordert Fonds zur Krisenprävention
Berlin, Bonn (epd). Die Deutsche Welthungerhilfe fordert neue Finanzierungskonzepte zur Bewältigung von humanitären Krisen. Gebraucht würden Hilfsfonds, die Mittel zur Verfügung stellen, bevor die Krise beginnt, sagte der Vorstandsvorsitzende des Bonner Hilfswerks, Till Wahnbaeck, am Mittwoch in Berlin. "Wir wissen aus Erfahrung, dass wir bei frühem Eingreifen sowohl die Schäden vor Ort als auch die Kosten für die Hilfe extrem reduzieren können."

Jeder vor einer humanitären Krise eingesetzte Euro spare vier bis fünf Euro in der Krise. Die aktuelle Hungersnot in Ostafrika und im Jemen zeige, dass die bisherigen Finanzierungssysteme für humanitäre Hilfe an ihre Grenzen kämen. Die dramatischen Entwicklungen mit einer beispiellosen Dürre seien aufgrund guter Frühwarnsysteme bereits seit Monaten vorhersehbar gewesen.

"Wir wussten, wann die Getreidespeicher leer sein werden", sagte Wahnbaeck. Bisher funktioniere die internationale Krisenreaktion aber nach dem Motto "early warning - no action". "Wir reagieren zumeist erst dann, wenn es zu spät ist", beklagte er. Die Einrichtung von entsprechenden Fonds und Versicherungen zur Risikovorsorge müsse deshalb auf dem G-20-Gipfel Anfang Juli in Hamburg auf die Tagesordnung gesetzt werden.

Nach Angaben der Präsidentin der Welthungerhilfe, Bärbel Dieckmann, standen der Hilfsorganisation im vergangenen Jahr 263,9 Millionen Euro aus Spenden und öffentlichen Mitteln für den Kampf gegen Hunger zur Verfügung. Das sei das höchste Budget seit Gründung der Welthungerhilfe 1962, sagte Dieckmann. Die Spendeneinnahmen betrugen 47,5 Millionen Euro. Dazu kamen 213,4 Millionen Euro an öffentlichen Geldern, davon die Hälfte von der Bundesregierung.

Mit den Geldern unterstützte die Welthungerhilfe nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr 8,4 Millionen Menschen in 39 Ländern. Schwerpunkt der Förderung waren Projekte in Afrika (139,2 Millionen Euro), Asien (90,6 Millionen Euro) und Lateinamerika (8,7 Millionen Euro). Große Fortschritte seien überall dort erzielt worden, wo Frieden herrscht und die Gelder in nachhaltige landwirtschaftliche Projekte investiert werden konnten, sagte Dieckmann.

Dominiert hätten die Arbeit der Welthungerhilfe die Auswirkungen des Krieges in Syrien und der Hunger in vielen Ländern Afrikas. Deshalb müsse die Partnerschaft mit Afrika ebenfalls eine zentrale Rolle bei den G-20 Verhandlungen in Deutschland spielen, sagte die Präsidentin. "Die Situation in Afrika wird entscheidend für eine friedliche geopolitische Gesamtentwicklung sein", betonte Dieckmann. Daher müsse die Bundesregierung gemeinsam mit den Partnern der G-20 und den afrikanischen Ländern eine neue Afrikapolitik entwickeln. Eine Welt ohne Hunger sei keine Vision, sondern ein Menschenrecht, betonte Dieckmann.