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WDR-Fernsehdirektor warnt vor Spaltung der Gesellschaft
Solingen (epd). WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn warnt vor einer zunehmenden Spaltung der deutschen Gesellschaft. Ein bedeutender Teil der Bevölkerung empfinde den gesellschaftlichen Wandel, wie er sich zum Beispiel durch die digitalen Veränderungen oder die Folgen der Flüchtlingsbewegungen ausdrücke, als bedrohlich, sagte Schönenborn in Solingen. Dieser Teil der Bevölkerung dürfe von der öffentlichen Debatte nicht ausgeschlossen werden. Ein wichtiger Ort der Diskussion und des Austauschs könnten die christlichen Kirchen sein.

Der Gottesdienst könne als "klassische Form der Kommunikation" eine wichtige Funktion erfüllen und die Kirche könne die Menschen "sprechfähig" machen, sagte Schönenborn in einem Gottesdienst in der evangelischen Kirche Solingen-Merscheid. In der politischen Diskussion sei dagegen die Stimmung bisweilen so "vergiftet", dass ein Gespräch miteinander kaum noch möglich sei.

Schönenborn erwartet allerdings auch, dass das Christentum mit seiner herausgehobenen Stellung in der hiesigen Gesellschaft an Bedeutung verlieren wird. "Unsere Gesellschaft wird keine durchgängig geprägte christliche mehr sein", sagte der aus Solingen stammende Katholik in einem Gespräch mit dem evangelischen Pfarrer Hildebrand Proell in der Reihe "Kanzelreden zum Solinger Reformationsjubiläum".

In der Reihe kommen Menschen zu Wort, die üblicherweise nicht von einer Kanzel aus sprechen. Zuletzt waren der ehemalige Solinger Oberbürgermeister Franz Haug (CDU) und die Vorsitzende des Dekanatsrats der Solinger Katholiken, Ulrike Spengler-Reffgen, zu Gast.