Ethik
Umwelthilfe misst an 500 Orten Dieselabgase
Bundesverwaltungsgericht entscheidet am 22. Februar über Fahrverbote
Berlin, Düsseldorf (epd). Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) will im Februar an bundesweit 500 Orten die Belastung der Atemluft durch das von Dieselabgasen verursachte Stickstoffdioxid (NO2) messen. Bei der Mitmach-Aktion unter dem Motto "Decke auf, wo Atmen krank macht" können sich von Verkehrsabgasen betroffene Bürger an die Umwelthilfe wenden. Diese stellt dann nach einer Prüfung des vorgeschlagenen Ortes für einen Monat eine Messstation auf, kündigte DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch in Berlin an.

Die Ergebnisse werden von einem Schweizer Institut ausgewertet und im März vorgestellt. Vorschläge werden bis 21. Januar im Internet unter duh.de/abgasalarm entgegengenommen. "Wir gehen davon aus, dass wir durch unsere Messungen an 500 bisher nicht im Messnetz enthaltenen Orten mehrere hundert weitere Hotspots der Luftverschmutzung identifizieren können", sagte Resch. Die Kosten der Messungen werden auf 60.000 bis 80.000 Euro geschätzt.

Das offizielle Messnetz für NO2 sei mit deutschlandweit 247 verkehrsnahen Messstationen aus Sicht der DUH zu grobmaschig, um das Ausmaß der NO2-Belastung in Deutschland ausreichend abzubilden. Die meisten der knapp über 11.000 Städte und Gemeinden in Deutschland wähnten sich deshalb als nicht vom Abgasproblem betroffen, sagte Resch. Tatsächlich würden an stark befahrenen Straßen in mittelgroßen oder kleinen Gemeinden ähnlich hohe NO2-Konzentrationen gemessen wie an Hauptverkehrsstraßen von Großstädten. Selbst Dörfer mit viel Durchgangsverkehr seien betroffen.

Laut eines im Herbst 2017 von der EU-Kommission veröffentlichten Berichts der Europäischen Umweltagentur sei NO2 für jährlich 12.860 vorzeitige Todesfälle bundesweit verantwortlich, sagte Resch: "Damit sterben an dem Dieselabgasgift in Deutschland vier Mal so viele Menschen wie durch Verkehrsunfälle." Derzeit werde in 90 Städten amtlich bestätigt der seit 2010 geltende EU-Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter überschritten. Mit ihren Messungen geht die Umwelthilfe davon aus, dass noch mehr Orte dazu kommen werden.

Zwei Klagen der DUH für Dieselfahrverbote in Stuttgart und Düsseldorf werden am 22. Februar in einem Revisionsverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verhandelt. In beiden Fällen hatte die DUH in erster Instanz gewonnen, aber die Landesregierungen von Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen waren jeweils in Berufung gegangen.