Kultur
Ruhrtriennale startet mit "Pelléas et Mélisande"
Letztes Triennale-Jahr unter Intendant Johan Simons
Bochum (epd). Die Ruhrtriennale startet in diesem Jahr mit der Oper "Pelléas et Mélisande" von Claude Debussy. Am 18. August starte das Kulturfestival mit der ersten Oper der Neuzeit, kündigte Intendant Johan Simons am Mittwoch in Bochum an. In den Opernkulissen in der Jahrhunderthalle erläuterte Simons, der in diesem Jahr das letzte Mal als Intendant die Festspiele leitet, das Programm bis 30. September.

In diesem Jahr findet mit der Tanz-Aufführung "Projecting Space" zum ersten Mal eine Veranstaltung in der Zentralwerkstatt der Zeche Lohberg statt. Weitere Spielorte befinden sich in Bochum, Dortmund, Duisburg, Essen, Gladbeck und Mülheim an der Ruhr.

Den künstlerischen Schlusspunkt finden in diesem Jahr gleich mehrere Trilogien. Etwa der Dreiteiler "Liebe", "Geld" und "Hunger" von Emile Zola und Luk Perceval. Neben der Uraufführung von "Hunger" werden alle drei Stücke hintereinander in elf Stunden gezeigt. Für die Zuschauer gibt es drei lange Pausen, mobile Masseure und Theatergymnastik.

Am 19. August wird die Installation "Truck Tracks Ruhr - The Compilation" in der Mischanlage der Zeche Zollverein in Essen eröffnet. Die Produktion von Urbane Künste Ruhr nach einem Konzept von Rimini Protokoll und loekenfranke ist eine audio-visuelle Komposition mit elektronischer Musik aus den Alben von "Truck Tracks Ruhr".

Am 20. und 21. August ist das Collegium Vocale Gent mit der Marienvesper Monteverdis in der Zeche Zollern in Dortmund zu hören. Am 20. August führen in der Bochumer Jahrhunderthalle die Sopranistin Barbara Hannigan und der Pianist Reinbert de Leeuw "Socrate" von Eric Satie in der Inszenierung von Krzysztof Warlikowski auf. Weitere Konzerte folgen unter anderem im Maschinenhaus der Essener Zeche Carl mit dem belgischen Quartett Zwermund und der kanadischen Folkband "Timbre Timbre" in der Jahrhunderthalle.

"Die Welt hat sich in diesen drei Jahren ständig verändert", sagte Intendant Simons über seine Zeit als künstlerischer Leiter, dessen drei Spielzeiten unter dem übergreifenden "Seid umschlungen" standem. In seinem ersten Ruhrtriennale-Jahr sei es um den Ursprung und die Geschichte, im zweiten um die Gegenwart gegangen. Nun thematisiere das Festival sechs Wochen lang in Musik, Tanz, Theater und Installationen Utopien und Zukunftsvisionen. Simons selbst hat für seine finale Spielzeit das Musiktheater "Cosmopolis" inszeniert, das von einem reichen Mann handelt, der innerhalb eines Tages Geld und Leben verliert.

Die diesjährige "Ruhrtriennale" ist zudem mit den Begriffen "Freude", "schöner" und "Götterfunken" überschrieben, in Anlehnung an die Hymne in Beethovens neunter Sinfonie. Vor dem Hintergrund populistischer Bewegungen und terroristischer Anschläge in Europa habe er an dem Begriff "schöner" immer wieder gezweifelt, sagte Simons. Er frage sich, für wen die Welt schöner geworden sei. "Wir leben in einer Welt, die ich überhaupt nicht mehr verstehe." Die Plakate für die "Ruhrtriennale" habe er deshalb mit einem schwarzen Streifen versehen lassen. Trotzdem bemerke er ein Wiederentdecken Europas und seiner Kraft, räumte er ein.