Kirche
Rheinische Kirche will weniger Bürokratie und mehr Jugend-Einfluss
Bad Neuenahr (epd). Die Evangelische Kirche im Rheinland will Bürokratie abbauen und der Jugend mehr Einfluss geben. Die Landessynode beschloss in Bad Neuenahr, das "Gepäck an Vorschriften und Strukturen" zu verringern und im kommenden Jahr erstmals eine Jugendsynode einzuberufen. In mehreren Beschlüssen machte sich das Kirchenparlament zudem für einen besseren Flüchtlingsschutz und ein "Leitbild vom gerechten Frieden" stark. Die Düsseldorfer Superintendentin Henrike Tetz wurde als Nachfolgerin von Klaus Eberl zur Oberkirchenrätin und Leiterin der Bildungsabteilung im Düsseldorfer Landeskirchenamt gewählt.

Regelungen, Gesetze und Verfahren in der zweitgrößten deutschen Landeskirche sollen nach dem Willen der Synode an vielen Stellen einfacher und kompakter werden. Genehmigungsverfahren sollen entschlackt werden und die 694 Kirchengemeinden und 38 Kirchenkreise mehr Verantwortung bekommen. "Mit Blick auf eine kleiner werdende Kirche müssen wir uns von kleinteiligen Vorschriften und Ordnungen verabschieden", sagte der oberste Jurist der Landeskirche, Johann Weusmann. Es gehe um einen Mentalitätswandel. In mehreren Teilprojekten werden nun konkrete Vorschläge erarbeitet.

Junge Leute aus der rheinischen Kirche sollen im Januar kommenden Jahres über wichtige Fragen der Landeskirche auf einer erstmals einberufenen Jugendsynode beraten. Mit ihren Beschlüssen muss sich die direkt im Anschluss tagende Landessynode beschäftigen. Die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der evangelischen Jugend an der Saar, Miriam Lehberger, betonte: "Wir wollen keine Alibiveranstaltung, auf der sich Landessynodale und junge Menschen mal nett unterhalten." Die dreitägige Veranstaltung sei eine große Chance, die Beteiligung von jungen Menschen in kirchlichen Strukturen zu ermöglichen. Zur rheinischen Kirche gehören rund 650.000 getaufte Kinder und Jugendliche.

Eine wichtige Neuerung beschloss die Synode auch beim Arbeitsrecht: Bewerber anderer Konfessionen und Religionen dürfen künftig in vielen Bereichen beschäftigt werden, in denen bisher die Mitgliedschaft in der evangelischen Kirche gefordert wurde. Dies gilt etwa in evangelischen Pflegeheimen, Schulen und Kitas, der Jugend-, Frauen- und Männerarbeit sowie in der Erwachsenen- und Familienbildung.

In einem "Friedenswort 2018" zum Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren forderte die Landessynode die Bundesregierung auf, mehr finanzielle und personelle Ressourcen für zivile Konfliktlösungen bereitzustellen. Nötig sei ein Paradigmenwechsel von der Lehre vom gerechten Krieg zu einem Leitbild vom gerechten Frieden. "Wir müssen zuerst nach Frieden fragen und nicht nach Intervention", sagte der Jülicher Superintendent Jens Sannig.

Konkret verlangt die rheinische Kirche unter anderem den Abzug der US-Atomwaffen vom Fliegerhorst Büchel in der Eifel. Die Bundesregierung müsse zudem den Atomwaffenverbotsvertrag unterzeichnen, den 122 Staaten der Vereinten Nationen 2017 völkerrechtlich verbindlich beschlossen haben.

Die Landeskirche erneuerte ihre Forderung, auch Flüchtlingen mit eingeschränktem Schutzstatus das Nachholen ihrer Familie zu erlauben. Nötig seien zudem legale Wege der Zuwanderung und faire Asylverfahren.

Die 54-jährige Theologin Tetz wurde bis 2021 in die 15-köpfige Kirchenleitung gewählt. Die künftige Oberkirchenrätin kündigte an, sich für eine stärkere Vernetzung von Schule und Jugendarbeit einzusetzen. Mitarbeiter müssten kontinuierlich weitergebildet werden. Weitere wichtige Themen seien der Einsatz für eine auskömmliche Finanzierung von Kindertagesstätten und der konfessionell-kooperative Religionsunterricht mit der katholischen Kirche.