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"Reporter ohne Grenzen" besorgt über Verfahren gegen Tolu
Köln (epd). Zum Prozessbeginn gegen die Journalistin und Übersetzerin Mesale Tolu in der Türkei hat sich "Reporter ohne Grenzen" besorgt geäußert. Im Deutschlandfunk bezeichnete der Geschäftsführer der Journalistenorganisation, Christian Mihr, die Vorwürfe gegen die Deutsche als "Standardkeulen", die die türkische Regierung auspacke, um regierungskritische Journalisten mundtot zu machen. Er hält den am Mittwoch eröffneten Prozess für politisch motiviert.

Tolu und 17 weitere Angeklagte müssen sich vor einem Gericht in Istanbul wegen Terrorpropaganda und der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung verantworten. Mihr zufolge sind derzeit 170 Journalisten in der Türkei in Haft. Keiner sei Mitglied in einer Terrororganisation. Aus Sicherheitsgründen hatte sich Mihr dagegen entschieden, den Prozess vor Ort zu beobachten.

Die 33-jährige Tolu war Ende April festgenommen worden und sitzt seitdem mit ihrem Sohn im Frauengefängnis Bakirköy. Tolu drohen bis zu 20 Jahre Haft. Derzeit sind elf deutsche Staatsangehörige in türkischer Haft. Darunter sind der "Welt"-Journalist Deniz Yücel und der Menschenrechtler Peter Steudtner. Die Bundesregierung hatte wiederholt ihre sofortige Freilassung gefordert.