Kirche
Präses Kurschus: Den Ängsten nicht das Regiment überlassen
Herford (epd). Die Ängste vieler Menschen angesichts politischer und wirtschaftlicher Umbrüche sollten nach Ansicht der westfälischen Präses Annette Kurschus ernst genommen werden. "Sie müssen besprochen werden, man sollte ihnen aber nicht das Regiment überlassen", sagte die leitende Theologin der Evangelischen Kirche von Westfalen am Montagabend in Herford. Die Kirche mache das Spiel mit der Angst nicht mit.

Fremdenangst habe vielfach auch mit fehlender Begegnung zu tun, erklärte die Präses in einer Podiumsdiskussion zum Thema innere Sicherheit der Friedrich-Ebert-Stiftung. Viele Menschen, die zuvor nicht in die Kirchengemeinden gekommen seien, setzten sich nun in diesem Rahmen für Flüchtlinge ein. Sie lebten den Ängsten entgegen, anstatt diese zu pflegen, sagte Kurschus, die auch stellvertretende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist.

Neben diffuser Fremdenangst und offener Fremdenfeindlichkeit seien auch Ängste vor sozialem Abstieg festzustellen. Kirchengemeinden begegneten Menschen, die die Öffentlichkeit meiden, weil sie sich ihrer Armut und Arbeitslosigkeit schämen. Da jeder Mensch von Gott mit gleicher Würde ausgestattet sei, müsse er das bekommen, "was er zu einem Leben in Würde braucht", forderte Kurschus. Doch gebe es für mehr soziale Gerechtigkeit "keine schnellen Lösungen".

Der NRW-Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Arnold Plickert, kritisierte Werteverfall und Respektlosigkeit innerhalb der Gesellschaft. "Bildung und Integration müssen funktionieren, sonst erleiden Polizisten die Folgen", sagte Plickert mit Blick auf eine Zunahme an körperlichem und verbalen Angriffen auf die Beamten. Laut Kriminalitätsstatistik seien Gewaltdelikte zwar zurückgegangen. Doch sei das subjektive Sicherheitsgefühl vieler Bürger geprägt von Ereignissen wie der Kölner Silvesternacht und Terroranschlägen in Paris, Brüssel und Berlin.

Der Leiter der Evangelischen Jugendhilfe Schweicheln, Ralf Mengedoth, warnte davor, die Diskussion auf die innere Sicherheit zu reduzieren. "Wir sollten uns nicht einreden lassen, dass wir in einer komplett unsicheren Welt leben", sagte der Sozialpädagoge. Viele Menschen kämen nach Deutschland, "weil es hier sicher ist". Bei der Aufnahme von Flüchtlingen habe man sehr viel geschafft. Diese große Kraft in der Gesellschaft dürfe man sich "nicht kaputt reden lassen".