Soziales
Obdachlose in Düsseldorf: Wohlfahrtsverbände fordern mehr Unterkünfte
Düsseldorf (epd). Vertreter von Wohlfahrtsverbänden haben mehr Menschlichkeit und Rücksichtnahme im Umgang mit Obdachlosen in Düsseldorf gefordert. Barbara Kempnich von der Bahnhofsmission sprach sich in einer Diskussionsveranstaltung am Dienstagabend dafür aus, "die Schlafstellen für Obdachlose den Bedürfnissen der Betroffenen anzupassen" und nicht weiterhin umgekehrt zu verfahren. Diakoniepfarrer Thorsten Nolting verwies darauf, dass die Zahl obdachloser Menschen in Düsseldorf zwischen 2014 und 2016 von rund 1.845 auf etwa 2.400 gestiegen sei.

Die neue Leiterin des Amtes für Integration und Migration, Miriam Koch, forderte eine Erhöhung der Unterbringungskapazitäten für Obdachlose in der Stadt. Koch hatte in den vergangenen Jahren in Düsseldorf die Unterbringung von Flüchtlingen organisiert und ist seit Jahresbeginn 2018 auch für die Unterkünfte obdachloser Menschen in der Stadt zuständig. Sie sprach sich auch für einen Ausbau öffentlich geförderten preiswerten Wohnraums aus.

Antonia Frey, bei der Diakonie zuständig für die Obdachlosenarbeit, forderte von der Stadt einen Ausbau und eine Verschönerung der Unterbringungseinrichtungen für wohnungslose Menschen. Notwendig sei zudem die Förderung von Wohnprojekten für Obdachlose, damit diese Menschen wieder in eigenen vier Wänden leben könnten, betonte Frey bei der Veranstaltung in der Düsseldorfer Mahn- und Gedenkstätte.

Auch Jürgen Plitt von der Ordensgemeinschaft der Armen Brüder des heiligen Franziskus sprach von großem Nachholbedarf in der NRW-Landeshauptstadt. Aktuell gebe es in Düsseldorf etwa 11.000 Sozialwohnungen weniger als noch im Jahr 2008, sagte Plitt. Johannes Dörrenbächer von der Hilfsorganisation "Fiftyfifty" bezeichnete die Situation Obdachloser in der Stadt als "nach wie vor prekär". Er sprach sich dafür aus, die geltende Straßensatzung mit Blick auf Obdachlose zu entschärfen.

In der Mahn- und Gedenkstätte sind noch bis Sonntag drei Ausstellungen zum Thema Obdachlosigkeit zu sehen. Darin geht es vor allem um die Verfolgung von Obdachlosen im nationalsozialistischen Regime. Die NS-Rassenlehre hatte sie zur Gefahr für den deutschen "Volkskörper" und zu "Asozialen" erklärt, die überflüssig seien. Viele Obdachlose wurden von den Nazis "kriminalbiologisch" untersucht, sterilisiert oder in Konzentrationslager verschleppt.