Ethik
Medizinethiker plädieren für Reform des Heilpraktikerberufs
Münster (epd). Eine umfassende Reform des Heilpraktikerberufs fordert eine Expertengruppe der Universität Münster. Die 17-köpfige Expertengruppe bemängele eine "unangemessene Ausbildung und die meist unhaltbaren Krankheitskonzepte" von Heilpraktikern, erklärte die Universität. Die Wissenschaftlergruppe "Münsteraner Kreis" habe ein Memorandum jetzt im "Deutschen Ärzteblatt" veröffentlicht.. Die Autoren schlagen entweder eine Abschaffung des Heilpraktikerberufs vor oder seine Ablösung durch die Einführung spezialisierter "Fach-Heilpraktiker". Diese könnten in einer Zusatzqualifikation für bestehende Gesundheitsfachberufe ausgebildet werden.

Nach Meinung der Expertengruppe bildeten die akademische Medizin und die Heilpraktiker zwei Parallelwelten im Gesundheitswesen, hieß es. Die akademische Medizin beruhe auf wissenschaftlichen Fakten. Die Heilpraktiker seien hingegen in der sogenannten "Komplementären und Alternativen Medizin" (KAM) verankert. Ihre Ausbildung sei im Gegensatz zu dem langen Studium der Mediziner "kurz und weitgehend unreguliert".

Da Heilpraktiker gleichwohl das Etikett "staatlich anerkannt" bekämen, könnten Patienten den Eindruck gewinnen, dass es sich bei Ärzten und Heilpraktikern um gleichwertige Alternativen handele, erklärte der "Münsteraner Kreis". Meist fehlten jedoch "überzeugende Belege" für die Wirksamkeit der KAM.

Die Fachleute möchten mit dem "Münsteraner Memorandum Heilpraktiker" Politiker motivieren, das Heilpraktikerwesen nicht nur kosmetisch, sondern grundlegend zu reformieren, erklärte die Uni Münster weiter. Als Hauptautoren der Denkschrift werden die Professorin für Medizinethik, Bettina Schöne-Seifert, die Münsteraner Medizinethiker Daniel R. Friedrich und Jan-Ole Reichardt sowie der freie Wissenschafts- und Medizinjournalist Christian Weymayr aus Herne genannt.