Medien
Medienprojekt erinnert an "geraubte Kinder" aus Polen
Bonn (epd). Die Polnisch-Redaktion der Deutschen Welle und das polnische Internetportal Interia starten ein multimediales Projekt, das Licht auf ein wenig bekanntes Verbrechen der Nationalsozialisten werfen soll. Unter dem Titel "Geraubte Kinder" wird in Videos und Artikeln darüber berichtet, dass bis zu 200.000 polnische Kinder während der deutschen Besatzung ab 1939 verschleppt oder ihren Eltern weggenommen und zwangsgermanisiert wurden, wie die Deutsche Welle in Bonn mitteilte. Viele von ihnen lebten noch heute, ohne ihre wahre Identität zu kennen. Anlass für das Projekt ist der 78. Jahrestag des deutschen Angriffs auf Polen, mit dem der Zweite Weltkrieg begann.

Das Projekt stellt die Schicksale der Kinder in Reportagen und Interviews vor. In Zusammenarbeit mit Institutionen, Archiven und Stiftungen suchen die beteiligten Journalisten in Deutschland und Österreich nach Betroffenen und begleiten sie bei der Kontaktaufnahme mit ihren polnischen Familien. Zum Jahresende sind Reportagen über die Ergebnisse der Recherchen und mögliche Begegnungen der Opfer mit ihren bislang unbekannten Familienangehörigen geplant.

"Die Recherchen, die wir gemeinsam mit unseren polnischen Partnern durchgeführt haben, brachten erschütternde Erkenntnisse ans Licht", sagte die Abteilungsleiterin Östliches Mitteleuropa der Deutschen Welle, Rosalia Romaniec. Man hoffe, durch die grenzüberschreitende Kooperation weiteren Opfern bei der Suche zu helfen und die Öffentlichkeit an das Thema zu erinnern.