Medien
Maas: Doping-Experte Seppelt darf zur WM nach Russland reisen
"Reporter ohne Grenzen" beklagt unverändert repressives Klima für Journalisten
Köln, Berlin (epd). Der ARD-Doping-Experte Hajo Seppelt darf nun doch zur Fußball-Weltmeisterschaft nach Russland reisen. Wie Außenminister Heiko Maas (SPD) über den Kurznachrichtendienst Twitter mitteilte, hat die russische Seite mitgeteilt, er dürfe "zumindest zur WM einreisen". Maas fügte hinzu: "Setzen uns weiter für freie Berichterstattung ein." Die Organisation "Reporter ohne Grenzen" (ROG) begrüßte die Aufhebung des Einreiseverbots, wies zugleich aber auf ein unverändert repressives Klima für Journalisten und Medien in Russland hin.

Eine Außenamtssprecherin sagte in Berlin, es handele sich bei der russischen Mitteilung zu Seppelt um eine "allererste Nachricht" über eine Lösung des Vorgangs. Eine Bewertung wollte sie zunächst nicht abgeben.

Am Freitag hatte die ARD mitgeteilt, dass das für Seppelt beantragte Visum für ungültig erklärt wurde. Der Investigativjournalist stehe auf einer Liste der in Russland "unerwünschten Personen". Am Montag wurde Moskau dafür von der Bundesregierung kritisiert.

Die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 findet vom 14. Juni bis 15. Juli in elf russischen Städten statt. Seppelt recherchiert seit vielen Jahren zu Doping im deutschen und weltweiten Spitzensport. Er hatte unter anderem ein staatlich organisiertes Dopingsystem in Russland aufgedeckt. Die Enthüllungen führten zum Ausschluss der russischen Leichtathleten von internationalen Wettkämpfen. Ab 2007 hatte der mehrfach ausgezeichnete Journalist beim WDR die ARD-Doping-Redaktion mit aufgebaut.

ROG-Geschäftsführer Christian Mihr erklärte: "Die Entscheidung der russischen Behörden zeigt, dass öffentlicher und politischer Druck wirkt." Problematisch sei, "dass überhaupt so viel Druck nötig ist, um die Normalität durchzusetzen, dass ein kritischer Journalist nicht einfach ausgesperrt wird". Die Bundesregierung sollte nun sorgfältig beobachten, ob Seppelt auch nach der Fußball-WM ungehindert nach Russland reisen könne.

"Für die vielen russischen Journalisten, die unter ständigen Schikanen und Repressalien ihre Arbeit tun, ändert sich durch diese Einzelfallentscheidung gar nichts", fügte Mihr hinzu: "Auf ihre Lage sollte die sportinteressierte Öffentlichkeit jetzt sehr genau schauen, wenn die Affäre Seppelt am Ende irgend etwas Positives bewirken soll." Russland steht den Angaben zufolge auf Platz 148 von 180 Ländern auf der Rangliste der Pressefreiheit. Die staatlichen Medien dort verbreiteten unablässig Regierungspropaganda, so ROG.