Kirche
Kein Shopping kurz vor der Bescherung
Debatte um Ladenöffnung an Heiligabend
Düsseldorf (epd). Von Ruhe und Besinnung ist in der Adventszeit im Einzelhandel meist wenig zu spüren. Die Suche nach Geschenken in übervollen Innenstädten empfinden die Beschäftigten und Kunden vor allem als Stress. Vor diesem Hintergrund befeuert die Vorweihnachtszeit alljährlich die Debatte um die Notwendigkeit verkaufsoffener Sonntage. In diesem Jahr kommt als Besonderheit hinzu, dass Heiligabend und der vierte Advent zusammenfallen und am letzten Adventssonntag ein Teil der Geschäfte seine Türen öffnen darf.

In Nordrhein-Westfalen können dann von 10 bis 14 Uhr zumindest Lebensmittelmärkte, Bäckereien und Verkaufsstellen für Weihnachtsbäume öffnen - so sieht es das Ladenöffnungsgesetz vor. Bei allen anderen Geschäften bleibt die Ladentür jedoch geschlossen. Einen klassischen verkaufsoffenen Sonntag in den letzten Stunden vor der Bescherung wird es also nicht geben. Aber schon die Möglichkeit einer Teilöffnung sorgt für Ärger: "Wir sind für den arbeitsfreien Sonntag für die Beschäftigten", betont Nils Böhlke, Sekretär bei der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di NRW.

"Die Menschen haben ohnehin schon genügend Stress im Alltag, und der Job des Verkäufers zählt zu den stressigsten überhaupt", sagt Böhlke. An zwei Adventssonntagen können die NRW-Innenstädte wieder zum Shopping locken - allerdings nur in Verbindung mit einem anderen Anlass, der in der Adventszeit meist aus einem Weihnachtmarkt besteht. Wenn ein solcher Anlass für Kundenströme sorgt, dürfen die Einzelhändler mitziehen und öffnen, so die Regelung.

Generell sieht man bei ver.di die Sonntagsöffnung kritisch - nicht nur in der Vorweihnachtszeit. Insgesamt sind in den NRW-Städten pro Jahr vier verkaufsoffene Sonntage erlaubt, jeweils verbunden mit einem entsprechenden Anlass. In der Vergangenheit hatte ver.di oft erfolgreich gegen solche Sonntagsöffnungen geklagt, wenn der jeweilige Anlass - beispielsweise ein Trödelmarkt - für nicht ausreichend angesehen wurde. Allein in den vergangenen zwei Jahren wurden so mehr als 70 von den NRW-Kommunen geplante verkaufsoffene Sonn- und Feiertage gerichtlich untersagt.

Unterstützung bekommt die Gewerkschaft von den Kirchen. Auch dort kommt dem Sonntag traditionell als Tag der Arbeitsruhe, der Erholung, der freien Zeit für Familie und Freunde und natürlich auch für Gottesdienst und Gebet eine besondere Bedeutung zu. Der stellvertretende Sprecher der Evangelischen Kirche im Rheinland, Wolfgang Beiderwieden, hält zudem eine Ladenöffnung am sonntäglichen Heiligabend nicht für nötig, da die Menschen bis in den Samstagabend hinein einkaufen könnten. "Es wäre eine gute Gelegenheit, den Verkäufern deshalb am Heiligabend frei zu geben."

Künftig aber könnten in NRW aus Sicht von ver.di und den Kirchen schwierigere Zeiten anbrechen. Die schwarz-gelbe Landesregierung will die Anzahl der erlaubten verkaufsoffenen Sonntage pro Jahr von vier auf acht verdoppeln und zugleich den Anlassbezug wegfallen lassen. Ziel sei die Belebung der Innenstädte, die Herstellung eines zukunftsfähigen Einzelhandels sowie die "Sichtbarkeit der Kommune als attraktiver Standort für Bürger und Unternehmen", heißt es in einem Positionspapier des Wirtschaftsministeriums. Schon im Frühjahr 2018 könnte das neue Gesetz in Kraft treten.

Der Einzelhandel zeigt sich über die Pläne erwartungsgemäß erfreut. "Der Sonntag ist der Tag, an dem die Menschen Zeit haben und entspannt einkaufen wollen", sagt die Sprecherin des Handelsverbands NRW, Simone Schwan. Davon profitierten nicht nur die Geschäfte, sondern auch die Restaurants und Cafes einer Stadt. Zugleich könne der Handel mit einer Sonntagsöffnung einen Akzent gegen die Konkurrenz des Internetshoppings setzen, das wegen der freien Zeit an Sonntagen beliebt sei.

Doch zumindest für den Heiligabend zeichnet sich ab, dass die umstrittene Teilöffnung der Geschäfte überwiegend ausbleibt - auf eigene Entscheidung des Handels. "Wir gehen derzeit davon aus, dass mehr als die Hälfte der Geschäfte die Möglichkeit nicht nutzen wird und ihren Mitarbeitern frei gibt", sagt Schwan. Viele große Handelsketten haben bereits eine Entscheidung getroffen: die Märkte von Aldi, Rewe und Penny bleiben nach eigener Ankündigung geschlossen.

Von Frank Bretschneider