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IT-Sicherheitsexperte für stärkeren gesetzlichen Datenschutz
Saarbrücken (epd). Der IT-Sicherheitsexperte Stefan Nürnberger hat sich für gesetzliche Schritte für mehr Datenschutz ausgesprochen. "Die Legislative ist viel zu langsam, die fortschreitende Digitalisierung zu begreifen und Schranken zu setzen", sagte der Forscher des Kompetenzzentrums für IT-Sicherheit CISPA bei einer Veranstaltung der Landesmedienanstalt Saar und der Arbeitskammer in Saarbrücken. Eine Möglichkeit sei eine unabhängige Stelle, die Unternehmen mit Privatssphärepunkten bewerte und den Verbraucher dadurch berate.

Mittlerweile gebe es viele Produkte, die man nur bei einer Weitergabe von Daten nutzen könne, sagte Nürnberger auf der Veranstaltung aus Anlass des "Safer Internet Day". Er sei ein großer Befürworter einer datenschutzfreundlichen Grundeinstellung. Diese widerspreche momentan noch den Geschäftsmodellen der Anbieter, die so lange schröpften, wie es gehe. Denn Daten seien die Grundlage für diese Geschäftsmodelle, erläuterte der Experte des Center for It-Security, Privacy & Accountability (CISPA) in Saarbrücken, das zurzeit als Helmholtz-Zentrum neu gegründet wird.

Unternehmen speicherten etwa bei Sprachassistenzsystemen, Smartphones und Fitnessarmbändern die aufgezeichneten Daten. Wenn Fetzen der eigenen Stimme irgendwo gespeichert seien, "sorgt bei mir für ein gewisses Unwohlsein", betonte Nürnberger. Zudem bedeute eine Anonymisierung der Daten einer Person nicht, dass sie nicht gefunden werden könne. So könnten Menschen mit frei zugänglichen Daten von Einwohnermeldeämtern identifiziert werden.

Auch der Datenschutzbeauftragte der Arbeitskammer des Saarlandes, Thomas Hau, betonte, zurzeit müsse ein Nutzer sich mit vielem arrangieren, wenn er bestimmte Geräte oder Dienste verwenden wolle. "Sie werden von jedem benutzt, aber nicht beherrscht", betonte er. Er sprach sich für mehr Transparenz und Anwendungssicherheit etwa bei der Nutzung von Smartphones, Fitnessarmbändern, Headsets für Sprachassistenten oder auch den Körperkameras der Polizei aus. So könnten etwa Sprachassistenten aus der Stimme ihrer Nutzer erkennen, in welcher psychischen Verfassung sie seien, erläuterte der Datenschutzbeauftragte.