Kultur
"Leute bei den Reihern" von August Macke, 1913. Das Kunstmuseum Bonn zeigt ab Mittwoch (12.07.17) eine Auswahl von Aquarellen und Zeichnungen August Mackes (1887-1914).
© Kunstmuseum Bonn / Kunstmuseum Bonn
Intime Einblicke in ein Künstlerleben
Aquarelle und Zeichnungen von August Macke im Kunstmuseum Bonn
Bonn (epd). Was immer August Macke (1887-1914) tat, der Skizzenblock war offenbar immer dabei. "Macke muss überall gezeichnet haben", sagt Volker Adolphs, Macke-Experte des Kunstmuseums Bonn. Anders wäre es auch kaum zu erklären, wie Macke bis zu seinem frühen Tod in nur 13 Jahren rund 9.000 Zeichnungen und 500 Aquarelle geschaffen haben sollte. 200 dieser Werke befinden sich in der Sammlung des Kunstmuseums Bonn, das ab Mittwoch eine Auswahl daraus präsentiert.

Unter dem Titel "August Macke im Kunstmuseum Bonn. Aquarelle und Zeichnungen" sind bis Ende Oktober Werke zu sehen, die schon lange nicht mehr gezeigt wurden. An ihnen lässt sich die rasante Entwicklung des jungen Malers ablesen - von den Einflüssen durch den Impressionismus bis zur Öffnung für moderne Kunstströmungen wie Futurismus, Kubismus und Abstraktion.

Die Schau beginnt mit intimen Einblicken in das Leben des jungen Macke. Da ist das bislang noch nie gezeigte Aquarell seiner Mutter auf der Treppe von 1906 oder ein Selbstbildnis mit Farbkreide von 1905 mit einer Widmung an die Familie seiner späteren Frau Elisabeth Gerhardt mit "Dank für die glücklichen Stunden".

Auch Elisabeth, der kleine Sohn Walter und der Vetter Helmuth Macke begegnen dem Besucher in diesen Zeichnungen aus dem Familienleben. Zudem ein Blick auf die unmittelbare Umgebung wie etwa das Pastell "Blick aus dem Haus Bornheimer Straße", das eine in milchiges Licht getauchte städtische Winterszene zeigt.

Anders als seine Berliner Expressionisten-Kollegen, von denen viele in ihren Bildern den Moloch der Großstadt thematisierten, sei Macke ein Maler der Kleinstadt gewesen, sagt Adolphs. In zahlreichen Zeichnungen hielt er auch seine Aufenthalte am Tegernsee und am Thuner See fest.

Neben Mackes eigenständigen Zeichnungen seien aus vielen seiner Skizzen auch Gemälde entstanden, erklärt Adolphs. Da sind etwa die Zeichnungen mit Sujets aus der Zirkuswelt, die bereits auf das Gemälde "Der Seiltänzer" (1914) hinweisen. "Die Zeichnung war für Macke ein Feld des Experiments", sagt Adolphs.

So lässt sich anhand der Zeichnungen und Aquarelle verfolgen, wie Macke nach und nach Strömungen der modernen Kunst erprobte. Er zeichnet Passanten und Besucher im Zoo und greift dabei kubistische Darstellungsweisen auf. In der Zeichnung "Elisabeth Futuristisch" experimentiert er 1913 mit der avantgardistischen Kunstströmung aus Italien. Im selben Jahr zeichnet er mit farbigen Kreiden auch das ungegenständliche Bild "Abstrakte Formen".

Macke habe sich zwar mit der Abstraktion beschäftigt, sagt Adolphs. "Aber er war ein Künstler mit der Ausrichtung auf die Sichtbarkeit." Seine Experimente mit verschiedenen Kunstströmungen hätten dazu gedient, die Ergebnisse wieder in seine eigene Malerei zu integrieren. "Macke war ein Künstler der Augen." Es ging ihm um das produktive Sehen und Erfassen der Welt um ihn herum.

Das Eintauchen in die Farben und Formen erreicht eine neue Qualität auf der 1914 gemeinsam mit Paul Klee und Louis Moilliet unternommenen Tunis-Reise. Das Kunstmuseum zeigt neben Zeichnungen zwei der dort entstandenen Aquarelle. "Sie sind ein Höhepunkt der Aquarellkunst des 20. Jahrhunderts", sagt Adolphs. Die Farben, mit denen Macke die Blicke auf eine Moschee und in den Innenhof eines Landhauses festhielt sind auch nach mehr als 100 Jahren noch leuchtend.

Die Aquarelle seien in die Zukunft gerichtet gewesen, sagt Adolphs. Macke habe daraus vermutlich auch Gemälde entwickeln wollen. Doch dazu kam es nicht mehr. Bald nach der Rückkehr der drei Maler-Freunde brach der Erste Weltkrieg aus. Am 26. September 1914 fiel Macke als Soldat bei Perthes-les-Hurlus in der Champagne im Alter von nur 27 Jahren.

Das Kunstmuseum Bonn, das in seiner Sammlung neben den Aquarellen und Zeichnungen über 30 Macke-Gemälde verfügt, nimmt mit der Ausstellung auch Bezug auf die für Oktober geplante Wiedereröffnung des August Macke Hauses. Das frühere Bonner Wohn- und Atelierhaus des Künstlers erhält derzeit einen Anbau. Mackes Haus war ab 1911 Treffpunkt rheinischer, aber auch internationaler Künstler wie Franz Marc, Robert Delaunay und Max Ernst.

epd-West rom fri

Von Claudia Rometsch