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Historiker Wolffsohn: Von Terror nicht erpressen lassen
Frankfurt a.M., Köln (epd). Der Historiker Michael Wolffsohn hat im Zusammenhang mit der umstrittenen Antisemitismus-Dokumentation Vorwürfe gegen Arte und den WDR erhoben. Die Sender hätten die Dokumentation nicht ausstrahlen wollen, weil sie neben dem rechten und linken auch schonungslos den islamischen Antisemitismus beschrieben habe, erklärte Wolffsohn in einem Beitrag für das evangelische Monatsmagazin "chrismon" (September): "Die Sendeanstalten befürchteten Terror als Rache."

"So etwas könne man derzeit in Frankreich nicht senden, hieß es hinter vorgehaltener Hand", heißt in dem Beitrag des Historikers weiter. Er kritisierte: "Wer so handelt, verhindert vielleicht den einen oder anderen Terrorakt, erzeugt aber bei potenziellen Terroristen Lust auf mehr, also weitergehende Forderungen, sprich: Erpressungen."

Der deutsch-französische Sender Arte hatte die Entscheidung, den vom WDR produzierten Beitrag "Auserwählt und ausgegrenzt - Der Hass auf Juden in Europa" von Joachim Schroeder und Sophie Hafner nicht zu senden, zunächst mit handwerklichen Mängeln begründet. Später wurde auch inhaltliche Kritik vonseiten des WDR geäußert. Nach einer kurzzeitigen Veröffentlichung auf "Bild Online" hatten das Erste und zeitversetzt auch Arte den Film am 21. Juni mit korrigierenden Eingriffen gesendet.

Wolffsohn schrieb, Terror-Prävention habe Grenzen. Wer eindeutig als Gefährder erkannt worden sei, könne durch Aussteigerprogramme kaum überzeugt werden, die Gewalttat aufzugeben. "Diese Einsicht fällt allerdings gerade überzeugten Christen verständlicherweise schwer." Jenseits christlicher Ethik dürfte dies politisch jedoch kaum umsetzbar sein, schreibt Wolffsohn in "chrismon".