Medien
Haus Usher, Frankenstein und Femme Fatale
Bonner Stummfilmtage zeigen Klassiker und restaurierte Schätze
Bonn (epd). Cineasten erwarten im Arkadenhof der Bonner Universität wieder Stummfilmklassiker, Stars des Stummfilms und frisch restaurierte Schätze. Zum 33. Mal finden im August die Internationalen Stummfilmtage mit Live-Musik unter freiem Himmel und bei freiem Eintritt statt, wie die Veranstalter ankündigten. Zur Eröffnung am Donnerstag wird der österreichische Stummfilm "Die kleine Veronika" aus dem Jahr 1930 von Regisseur Robert Land gezeigt. Der Streifen nach einer Novelle von Felix Salten über ein armes Mädchen vom Land, das in der Großstadt Wien auf Abwege gerät, galt lange als verschollen und wurde schließlich in einem französischen Archiv wieder entdeckt.

Insgesamt stehen bis zum 20. August 25 Filme auf dem Programm, die sich mit großen literarischen Vorlagen auseinandersetzen oder in denen Stars auf der Leinwand glänzten. Zu sehen sind etwa Jean Epsteins Umsetzung von Edgar Allan Poes "Untergang des Hauses Usher" aus dem Jahr 1928, die erste filmische Adaption von Mary Shelleys Roman "Frankenstein" von Regisseur J. Searle Dawley aus dem Jahr 1910 oder "The Informer" des deutschen Regisseurs Arthur Robinson aus dem Jahr 1929 nach der gleichnamigen Romanvorlage von Liam O'Flaherty über den irischen Unabhängigkeitskampf.

In der Filmbiografie "Beethoven" von Hans Otto Löwenstein aus dem Jahr 1927 glänzt Fritz Kortner in der Titelrolle. Von Kortner, der bereits 1917 Beethoven verkörpert hatte, konnten in der späteren Verfilmung als Rückblende Bilder des "jungen Beethoven" eingearbeitet werden. Die gebürtige Polin Pola Negri, die in Filmen von Ernst Lubitsch in Deutschland zum Weltstar wurde und dann nach Hollywood ging, ist in "Eine Frau von Welt" aus dem Jahr 1925 zu sehen. In der Komödie von Malcolm St. Clair spielt sie mit ihrem Image als unangepasste Femme Fatale europäischer Herkunft, die rauchend und geschminkt in einer amerikanischen puritanischen Kleinstadt aneckt.

Neben Filmen aus der ehemaligen Sowjetunion ist auch der erste erhaltene chinesische Stummfilm von 1922 zu sehen. In der Slapstickkomödie "Labor's Love" erzählt Zhang Shichuan die Geschichte eines Straßenhändlers, der sich in die Tochter eines Arztes verliebt und die Zustimmung ihres Vaters erreichen will.

Zu den Neuentdeckungen zählen auch Marie Epsteins "Pfirsichhaut" aus dem Jahr 1929 über ein Straßenkind im Montmartre, das von einer reichen Dame aufs Land geschickt wird, sowie der neurestaurierte schwedische Film "Hexen" von Benjamin Christensen aus dem Jahr 1922. In der Mischung aus Spiel- und Dokumentarsequenzen geht es um Hexenwahn, Teufelsanbetung, Verfolgung und Massenhysterie.

Als Live-Musiker spielen im Arkadenhof der Bonner Uni Joachim Bärenz, Neil Brand, Richard Siedhoff, Günter A. Buchwald, Stephen Horne, Frank Bockius und Mykyta Sierov am Klavier, auf Viola und Violine, Flöte, Akkordeon, Schlagzeug und Oboe.