Ethik
Gericht spricht pakistanischem Atheisten Asyl zu
Münster (epd). Das Verwaltungsgericht Münster hat einem Pakistaner, der sich vom Islam abgewandt hat, Asyl zugesprochen. In seinem islamischen Heimatland drohe dem Mann wegen seiner Überzeugung landesweite Verfolgung, heißt es in der Entscheidung, die nach Angaben eines Gerichtssprechers vom Dienstag jetzt zugestellt wurde (AZ: 7 K 5896/16 A). Der Schutz für religiöse Einstellungen und ihre Verbreitung in der Öffentlichkeit gelte für Atheisten ebenso wie für religiöse Menschen. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hatte zuvor den Asylantrag und auch subsidiären Schutz abgelehnt.

Der Mann, der früher Muslim war, sei bereits in Pakistan konfessionslos geworden, erklärte das Gericht. Ausgelöst sei seine Beschäftigung mit der Religion durch den Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten, den der Mann mindern wollte. Er hatte zunächst zwei Jahre Islamwissenschaften studiert. Als er sich mit anderen Religionen auseinandergesetzt habe, sei er im Internet auf andere Konfessionslose gestoßen. Auf verschiedenen Internetseiten sowie auf seiner eigenen Facebook-Seite habe der Mann unter seinem Namen islamkritische Beiträge veröffentlicht, um Informationen in Pakistan zu verbreiten. Die Internetseiten wurden von der Regierung gesperrt.

Der Mann habe kritische Fragen an den Islam gestellt, etwa warum manche Menschen wie Atheisten getötet werden dürften, erläuterte das Gericht. Er habe nicht nur die Abwesenheit von Gott für sich selbst erkannt, ihm sei auch das Werben für diese Überzeugung ein zentrales Anliegen. Zudem habe er sich bereits in seiner Heimat nicht mehr als Muslim verhalten und nicht mehr an Gebeten teilgenommen.

Anders als in vielen anderen muslimischen Ländern steht die Abkehr vom Islam in Pakistan nach Angaben des Gerichts zwar nicht ausdrücklich unter Strafe. Das pakistanische Strafrecht sehe jedoch viele Bestrafungen für Islamkritiker vor, hieß es. So drohten bei einer Verurteilung wegen Blasphemie erhebliche Freiheitsstrafen. Abfällige Bemerkungen über den Propheten Mohammed könnten mit lebenslanger Freiheitsstrafe oder dem Tod bestraft werden. Angriffe auf Nichtmuslime gingen entweder direkt vom Staat aus oder würden von den Justizbehörden nicht ausreichend bekämpft. Daher komme der Staat seiner Pflicht nicht nach, religiöse Minderheiten zu schützen, erklärte das Gericht.