Kirche
Gericht: Religionsausübung durch Liegestütze auf Altar gestört
Saarbrücken (epd). Mit seinen Liegestützen auf dem Altar einer Kirche hat der Video-Künstler Alexander Karle nach Auffassung des Saarländischen Oberlandesgerichts (OLG) die Religionsausübung gestört. Bei der Aktion in der katholischen Basilika St. Johann habe es sich um "beschimpfenden Unfug" gehandelt, sagte OLG-Präsidentin Margot Burmeister in Saarbrücken. Das OLG gab einem Revisionsantrag der Generalstaatsanwaltschaft gegen ein Urteil des Landgerichts statt. (AZ.: Ss 104/2017 (4/18))

Karle hatte im Januar 2016 gefilmt, wie er über eine rote Kordel im Altarraum der Basilika St. Johann in Saarbrücken stieg und 26 Liegestütze auf dem Altar machte. Den Film hatte er unter dem Titel "Pressure to Perform" ("Leistungsdruck") veröffentlicht.

Das Amtsgericht Saarbrücken hatte ihn wegen Hausfriedensbruchs und Störung der Religionsausübung im Januar 2017 zu einer Geldstrafe verurteilt (AZ: 115 Cs 192/16). Das Landgericht Saarbrücken hatte das Urteil aufgehoben und den Künstler im Juli 2017 nur wegen Hausfriedensbruchs zu einer Geldstrafe verurteilt (AZ: 12 Ns 54/17).

Nach Ansicht des OLG hat Karle mit seiner Aktion den Altar "buchstäblich mit Füssen getreten". Aus der Sicht eines "hypothetischen, besonnen Beobachters" habe er den religiösen Ort "in krasser Weise" missachtet, auch wenn die damaligen Besucher der Basilika nach Feststellung der Vorinstanzen keinen Anstoß an Karles Aktion genommen hätten, sagte Burmeister.

Das OLG verwies die Sache zurück an das Landgericht. Dies muss nun über ein neues Strafmaß entscheiden. Ein möglicher Gang vor das Bundesverfassungsgericht gilt als unwahrscheinlich.

Karle sprach nach der Urteilsverkündung von einem "Skandal". Er sehe seine Aktion weiter voll durch die Kunstfreiheit gedeckt. In seinem Schlusswort am Dienstag hatte der 40-Jährige betont, er habe mit seiner Aktion nicht provozieren, sondern zum Nachdenken anregen wollen. "Ich habe in Liebe gehandelt und im Glauben Gottes."

Einen Revisionsantrag Karles, der auf Freispruch zielte, wies das OLG als unbegründet zurück. Die Kunstfreiheit würde durch das Urteil nur "marginal" eingeschränkt. Das Recht auf freie Religionsausübung und das Hausrecht der katholischen Kirche wiege schwerer. Schließlich hätte Karle seine Liegestütze auch "auf dem Altar einer entweihten Kirche oder auf einem nachgebauten Altar ausführen" können, ohne dass dadurch der Sinn der Videoinstallation stark beeinträchtigt worden wäre.