Ethik
Gabriel und Müller fordern mehr Einsatz gegen Hunger in Afrika
Entwicklungsorganisationen: Für viele Menschen kommt Hilfe zu spät
Berlin, Düsseldorf (epd). Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) und Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) haben an die Staatengemeinschaft appelliert, mehr Mittel für die Hungernden in Ostafrika und im Jemen zur Verfügung zu stellen. Gabriel sagte am Mittwoch in Berlin, es sei eine Frage der Ehre, dabei zu helfen, "dass Menschen das nackte Überleben gesichert ist".

Der Minister stellte weitere Hilfen Deutschlands in Aussicht. Konkrete Zusagen gab es bei einer Konferenz, zu der auch Vertreter vom UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) und vom Internationalem Komitee vom Roten Kreuz kamen, aber nicht. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind in Ostafrika und im Jemen 20 Millionen Menschen vom Hungertod bedroht.

Die UN hatten erst am Dienstag wegen mangelnder internationaler Hilfe Alarm geschlagen. Aktuell werden nach ihrer Schätzung 4,4 Milliarden US-Dollar gebraucht. Die Geberländer haben den Angaben zufolge bislang für die Nothilfe in Nordost-Nigeria, in Somalia, im Südsudan und im Jemen aber erst 984 Millionen Dollar bereitgestellt.

Die Bundesregierung gab nach Gabriels Worten bislang 400 Millionen Euro. Der Minister versprach nun weitere Mittel "in beträchtlicher Größenordnung". Zunächst wolle er sich aber über die Höhe der benötigten Hilfe und sinnvolle Wege zur Unterstützung der Länder informieren, auch mittel- und langfristig.

Der Verband deutscher Entwicklungsorganisationen, Venro, der auch zahlreiche Organisationen aus NRW angehören, drängte zu schneller Hilfe. Die Hungersnot sei vorhersehbar gewesen, erklärte Vorstandsmitglied Sid Peruvemba. Für viele Menschen komme die Hilfe schon zu spät. Venro gehören rund 120 kirchliche und private Hilfswerke an.

Müller sagte, die Menschen in den Hungergebieten Afrikas setzten auf die Unterstützung Deutschlands. Bei seiner kürzlichen Reise dorthin habe er Kinder gesehen, deren Oberarmumfang nur noch neun bis zehn Zentimeter betrage und die damit gerade noch die Chance auf Überleben hätten. Es wäre beschämend, wenn die Weltgemeinschaft die benötigten Hilfen nicht aufbringen würde, sagte Müller. Am 25. April ist eine Jemen-Konferenz in Genf geplant. Am 11. Mai wird zu einer Somalia-Konferenz in London eingeladen.

Der Entwicklungsminister forderte vor allem große Staaten auf, mehr zu geben. Acht Geberländer finanzierten derzeit 90 Prozent der Unterstützung für internationale Organisationen. Insbesondere ermahnte er Russland, Saudi-Arabien und China, die nur wenig oder gar nichts bereitstellten. Zudem mahnte Müller, wer zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für militärische Ausrüstung ausgeben wolle, müsse auch dem Ziel nachkommen, 0,7 Prozent für die Entwicklungshilfe zu geben.

Deutschland soll nach dem Willen der Bundesregierung das Zwei-Prozent-Ziel der Nato erreichen. Die Quote von 0,7 Prozent für die Entwicklungshilfe hat Deutschland im vergangenen Jahr erstmals erreicht, weil auch die gestiegenen Kosten für Flüchtlinge im Inland mitzählen. In den kommenden Jahren wird das Ziel vermutlich nicht mehr erfüllt.