Nach fast 30 Jahren nehme sich damit wieder eine Ausstellung der Geschichte der Ordensgemeinschaft der Franziskaner an, sagte Museumsleiter Christoph Stiegemann. Das Diözesanmuseum, das in unmittelbarer Nachbarschaft des Paderborner Franziskanerklosters liegt, führt dabei mit verschiedenen Licht- und Bildinstallationen in eine Zeit des Umbruchs im 13. Jahrhundert mit "großer Unzufriedenheit über die erstarrten kirchlichen Strukturen". Dabei gehe es unter Berücksichtung neuester Forschung mehr um die kunst- und kulturgeschichtliche Bedeutung des Ordens, als um die spirituelle Figur Franziskus.
Wie die Ausstellung deutlich macht, schwebt Franziskus als jungem Mann aber eine andere, auf Luxus ausgerichtete Karriere vor. Als Sohn eines wohlhabenden Tuchhändlers genießt er die Privilegien seines begüterten Standes, liebt Mode und Tanz, feiert ausschweifende Feste mit seinen Freunden. Außerdem träumt er davon, als Ritter Besitzer eines adligen Turmhauses zu werden. Aber es sind kriegerische Zeiten, und die Pläne des aufstrebenden jungen Mannes erleben herbe Rückschläge.
Nach einer verlorenen Schlacht gegen die Stadt Perugia kommt der um 1182 geborene Franziskus ein Jahr in Kriegsgefangenschaft, kehrt schwer erkrankt nach Assisi zurück. Es folgt eine innere Krise und die Suche nach einem neuen Lebensinhalt. Zu den Schlüsselerlebnissen zählt seine Begegnung mit einem Aussätzigen um 1206, den Franziskus zuerst verabscheut, dann aber doch umarmt. Er - der Suchende - findet auf diese Weise neue Lebensfreude und Sinn für seinen weiteren Weg: gesellschaftlich ganz unten, bei den Ärmsten der Armen.
Franziskus entscheidet sich für ein Leben in Armut. Vor dem Altarbild in der zerfallenen Kirche von San Damiano hört er die Stimme des gekreuzigten Jesus, der die berühmten Worte gesprochen haben soll: "Geh und baue mein Haus wieder auf, das, wie siehst, ganz und gar in Verfall gerät." Die neue Lebensaufgabe führt zum radikalen Bruch mit dem Elternhaus - ein "Hinausgehen aus der Welt", wie es Franziskus laut historischer Texte später formuliert hat.
Weil er Waren und Geld aus dem väterlichen Geschäft entwendet und verschenkt hatte, zitiert der tiefenttäuschte Vater seinerzeit den unbeugsamen Sohn vor das Gericht des Bischofs in Assisi. Mit einer dramatischen Geste und vor großem Publikum entledigt sich Franziskus seiner Kleidung und löst alle verwandtschaftlichen Beziehungen: Diese Schlüsselszene im Leben Franziskus wird im Rahmen der Sonderausstellung von dem Münchner Künstlerduo M+M in der Paderborner Innenstadt filmisch neu inszeniert.
Um die Figur, die Zeit und den Orden des Franziskus möglichst umfassend und anschaulich nachzuzeichnen, hat das Museumsteam um Christoph Stiegemann insgesamt rund 200 hochkarätige Exponate aus aller Welt zusammengetragen. In 14 Themenbereichen werden frühe italienische Tafelbilder aus dem 13. Jahrhundert, seltene Handschriften und Buchdrucke unter anderem aus dem Pariser Louvre, der Vatikanischen Pinakothek und der Biblioteca Apostolica Vaticana in Rom oder dem Bayerischen Nationalmuseum München präsentiert.
Zum ersten Mal in Deutschland sind Fragmente der 1997 vom Erdbeben zerstörten Gewölbefresken aus der Grabeskirche von San Francesco zu sehen. Nach dem Tod Franziskus' 1226 ließen sich ungezählte Künstler aus vielen Jahrhunderten dort von dem Heiligen und seiner Gefährtin Klara von Assisi für Bilder und Anekdoten inspirieren. Das Diözesanmuseum zeigt eindrucksvolle Beispiele von den Barockmeistern Rubens, van Dyck oder Georges de la Tour.
In einem zweiten Ausstellungsteil wird im nah gelegenen Franziskanerkloster die wechselvolle Geschichte des Ordens im 19. und 20. Jahrhunderts beleuchtet. Noch heute ist der Orden weltweit präsent: Rund 14.200 Franziskaner leben in 110 Staaten der Erde, setzen sich für Arme und Bedürftige sowie für die Bewahrung der Schöpfung ein - ganz im Sinne von Franziskus.

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