Kultur
Forscher wollen mit Algorithmen altägyptische Papyri datieren
Heidelberg, Bonn (epd). Die Universität Heidelberg und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) bauen ab dem 1. Mai eine Datenbank zu der altägyptischen Sprachstufe "Demotisch" auf. Das Ziel sei es, den gesamten Zeichenbestand systematisch zu erfassen und die Zeichen in ihrer Entwicklung über die Jahrhunderte zu verfolgen, sagte der Leiter des Projekts, Joachim Quack, im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Dabei sollten Algorithmen helfen, die Zeichen zu datieren und geografisch einzuordnen. Die demotische Schrift entstand im 7. Jahrhundert vor Christus und wurde bis in die ersten nachchristlichen Jahrhunderte genutzt.

Laut dem Direktor des Ägyptologischen Instituts in Heidelberg zeichnet sich das Demotische durch eine starke Verkürzung der Zeichen aus. "Viele Wörter sehen sich ähnlich. Zudem verändern sich die Zeichen im Laufe der Zeit und es gibt auch ortstypische Eigenheiten", erklärt Quack. Das erschwere die Übersetzung. Außerdem seien zahlreiche Inschriften und Texte schlecht erhalten. "Im Extremfall muss man mit kleinen Fetzen umgehen können", sagt Quack.

Geplant sei daher, zunächst eine große Menge von sicher datierten Handschriften in die Datenbank aufzunehmen. Mittels dieser Texte soll ein "virtueller Papyrus" erzeugt werden, in dem Metadaten wie Herkunft und Datierung vorhanden und die Zeichen so markiert seien, dass ein Algorithmus sie in Form und Proportion analysieren kann, erklärt Quack. Auf dieser Basis könnten dann auch Texte, deren Herkunft und Datierung unsicher sind, eingeordnet werden. Die DFG mit Sitz in Bonn hat für das "Demotic Palaeographical Database Project" den Angaben zufolge eine Million Euro für die nächsten drei Jahre bewilligt.

epd-Gespräch: Leonie Mielke