Kultur
Ein Platz für Mutter Ey
Mutter-Ey-Platz in der Düsseldorfer Altstadt eingeweiht
Düsseldorf (epd). Mutter Ey ist an den Ort ihres Wirkens zurückgekehrt. 70 Jahre nach ihrem Tod steht sie wieder mitten in der Düsseldorfer Altstadt und ist wie zu Lebzeiten von Bildern umgeben. Im neu entstandenen Andreas-Quartier in der Altstadt erinnert eine 2,5 Meter hohe und 800 Kilogramm schwere Bronzeskulptur an die Galeristin und Kunstmäzenin. Sie steht auf dem Mutter-Ey-Platz, der am Mittwoch offiziell eingeweiht wurde, und zeigt die füllige Frau inmitten von Bildern, aus denen die berühmten Künstler steigen, die sie förderte.

Die neue Statue wurde von dem Bildhauer Bert Gerresheim auf Initiative des Heimatvereins "Düsseldorfer Jonges" geschaffen. Bislang würdigte die Stadt Düsseldorf ihre Ehrenbürgerin schon mit vielen kleineren Beiträgen: Eine Gasse in der Altstadt und das Café im Stadtmuseum tragen ihren Namen. Zudem erinnert im Spee'schen Park eine Skulptur an die aus einfachen Verhältnissen stammende Frau, die eine Kaffeestube für Studenten betrieb, bevor sie zur Kunsthändlerin wurde.

Johanna Ey wurde am 4. März 1864 im niederrheinischen Wickrath bei Mönchengladbach geboren. Als 19-Jährige kam sie nach Düsseldorf. Sie war verheiratet und bekam zwölf Kinder, von denen acht jung starben. Nach ihrer Scheidung eröffnete Ey 1910 in der Nähe der schon damals renommierten Düsseldorfer Kunstakademie eine Kaffeestube, die sich zum Treffpunkt von Schauspielern, Journalisten, Musikern und Malern entwickelte.

Das Essen war gut und preiswert, und man konnte bei "Mutter Ey" auch trefflich über Kunst diskutieren. Wenn einer ihrer Gäste nicht bezahlen konnte, dann nahm sie schon mal ein Bild als Zahlungsmittel an. So wurde aus der Kaffeestube bald schon ein kleines Museum.

Während des Ersten Weltkrieges reifte in ihr die Entscheidung, eine Kunsthandlung für die "Düsseldorfer Malerschule" zu eröffnen. 1916 war es so weit. Ausgeprägte Kenntnisse von Kunstgeschichte oder Malerei hatte Ey nicht, sie vertraute ihrem gesunden Menschenverstand. Schon ein Jahr nach Kriegsende wurde die Galerie unter dem Namen "Junge Kunst - Frau Ey" zum Mittelpunkt der Künstlergruppe "Das Junge Rheinland" um Maler wie Otto Pankok, Otto Dix, Max Ernst, Karl Schwesig und Gert Heinrich Wollheim.

Mit vielen Künstlern war Johanna Ey befreundet. Sie gab Porträts von sich in Auftrag und entlohnte die Maler dafür, die das Geld dringend brauchten. 100 solcher Porträtbilder befinden sich heute in der Sammlung des Düsseldorfer Stadtmuseums.

Doch mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 galten praktisch alle Maler aus dem Umkreis von Mutter Ey als "entartet". Boykottaufrufe der Nazis hingen an den Fenstern ihrer Galerie, die meisten ihrer Bilder wurden beschlagnahmt, viele auch zerstört. Ein Jahr später gab die resolute Frau die Galerie auf.

Wie sie den Zweiten Weltkrieg überstand, liegt im Dunkeln. Zwei Jahre vor Kriegsende floh die damals schon 79-Jährige vor den Bombenangriffen nach Mayen und später nach Reinbek, um 1945 nach Düsseldorf zurückzukehren. Ein Jahr später schon gründete sie die "Mutter Ey GmbH" und wurde Ehrenbürgerin der Stadt.

Auf ihrem 83. Geburtstag, den sie mit befreundeten Malern wie Robert Pudlich und Otto Pankok feierte, zeigte sie Bilder von sich. Gert Heinrich Wollheim stellte sie als Landesmutter mit Krone dar, Dix ließ sie als dicken Engel mit Geldschein durch die Lüfte schweben. Ein halbes Jahr später, am 27. August 1947, starb Mutter Ey. Sie ist in einem Ehrengrab auf dem Düsseldorfer Nordfriedhof bestattet.

Bildhauer Gerresheim sagte bei der Enthüllung seiner Mutter-Ey-Statue Ende September, das Werk sei auch ein persönliches Dankeschön an die Mäzenin. Gerresheim hatte sie mit zwölf Jahren kennengelernt und auf ihren Rat hin später bei Otto Pankok an der Düsseldorfer Kunstakademie studiert.

Auf dem neuen Mutter-Ey-Platz im Andreas-Quartier gibt es auch ein Mutter-Ey-Café inklusive dazugehöriger Galerie. In den Räumlichkeiten sollen Nachwuchstalente der Kunstakademie ihre Werke ausstellen: genauso, wie es Ey früher in ihrer Galerie praktiziert

Von Andreas Rehnolt