Medien
Johann Hinrich Claussen
Diskussion um Zukunft des Echo
EKD-Kulturbeauftragter fordert Preisvergabe durch Fachjury
Berlin, Düsseldorf (epd). Über die Vergabe des Musikpreises Echo muss nach Ansicht des Kulturbeauftragten der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Johann Hinrich Claussen, künftig eine Fachjury entscheiden. "Um einen Preis zu verleihen, braucht es Preiswürdigkeit. Das kann nicht Sache bloßer Verkaufszahlen sein", sagte Claussen dem Evangelischen Pressedienst (epd). Bislang entscheidet der kommerzielle Erfolg, wer ausgezeichnet wird. Dass in diesem Jahr die Rapper Kollegah und Farid Bang deswegen zu den Geehrten zählten, stieß auf Empörung und wird voraussichtlich grundsätzliche Konsequenzen für den Preis nach sich ziehen. Einzelne Textstellen der Rapper werden als antisemitisch verstanden.

Der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Musikindustrie, Florian Drücke, hatte am Sonntag erklärt, der Preis werde überarbeitet. Dies schließe eine umfassende Erneuerung der Mechanismen von Nominierung und Preisvergabe ein.

Claussen sieht keine Alternative zu einer Jury: "Die Entscheidung über Preisträger muss von ausgewiesenen Kennern der Populärkunst getroffen werden." Beliebtheit müsse berücksichtigt werden, "aber es geht hier um Qualität". Die bisherige Regelung, nach der ein Ethik-Beirat über Fälle berät, in denen nach Verkaufszahlen ein Preis verliehen werden müsste, Bands oder Textinhalte aber für problematisches Gedankengut stehen, bräuchte man dann nicht mehr.

Die Ankündigung des Bundesverbands Musikindustrie, den Preis neu zu konzipieren, begrüßten in Nordrhein-Westfalen der Kulturrat NRW und der Landesmusikrat. "Die Auszeichnung hat in ihrer bisherigen Form in einer Gesellschaft, die gleichermaßen der Meinungsfreiheit, der Menschenwürde, der Toleranz und nicht zuletzt dem Gedenken des Holocaust verpflichtet ist, keinen Platz", erklärten Kulturratsvorsitzender Gerhart Baum und Landesmusikratspräsident Reinhard Knoll gemeinsam am Montag in Düsseldorf.

Meinungs- und Kunstfreiheit seien schwerwiegende Argumente im Umgang mit künstlerischen Äußerungen, betonten Baum und Knoll. "Die Menschenwürde ist aber auch eins." Es sei nicht hinnehmbar, dass das Andenken von Opfern systematischer Massenvernichtung beschmutzt werde.

Die Auszeichnung von Kollegah und Farid Bang sorgt seit der Preisverleihung für Empörung. Am Sonntag erklärte das Notos Quartett auf seiner Facebook-Seite, dass es aus Protest seinen "Echo Klassik 2017" zurückgegeben hat.

Kollegah und Farid Bang waren für ihr Album "Jung, Brutal, Gutaussehend 3" in der Kategorie Hip-Hop/Urban National ausgezeichnet worden, obwohl bereits ihre Nominierung auf großen öffentlichen Protest gestoßen war. In ihrem aktuellen Album findet sich etwa die Textzeile "Mache wieder mal 'nen Holocaust, komm' an mit dem Molotow". Auf der Bonus-EP des Albums heißt es im Song "0815" zudem: "Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen". Der Ethik-Beirat hatte Textzeilen der Rapper kritisiert, aber gegen einen Ausschluss von der Preisverleihung votiert. Diese wurde live vom deutschen Privatsender Vox übertragen. Bis 2016 war die Echo-Preisverleihung jeweils im Ersten zu sehen.