Soziales
Die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel werden 150 Jahre alt.
© Bethel / Paul Schulz/Bethel
Bethel-Chef fordert Bewusstsein für inklusive Gesellschaft
Bielefeld (epd). Bethel-Chef Ulrich Pohl mahnt mehr Anstrengungen in der Arbeitswelt für die Gleichberechtigung von behinderten und nicht behinderten Menschen an. In diesem Bereich sei noch viel zu tun, sagte der Vorstandsvorsitzende der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Bielefeld. In der Wirtschaft gebe es oft noch zu wenig Wissen über Integrationsmöglichkeiten.

Pohl forderte, die aktuellen Gesetzesregelungen besser zu kommunizieren. Zudem müsse die Einrichtung von behindertengerechten Arbeitsplätzen erleichtert werden.

Deutliche Fortschritte auf dem Weg in eine inklusive Gesellschaft gibt es nach seiner Einschätzung im Freizeit- und Kulturbereich. "Hier finden immer mehr gemeinsame Veranstaltungen für behinderte und nichtbehinderte Menschen statt", sagte der Bethel-Chef. Bei Bethel selbst werde inzwischen etwa jeder zweite unterstützte Mensch ambulant betreut. Diese Menschen lebten weitgehend selbstständig. Bethel feiert mit einem Jubiläumsjahr die Gründung vor 150 Jahren.

Pohl warb dafür, noch stärker ein Bewusstsein für Inklusion in der Gesellschaft zu fördern. Dazu gehöre auch, im Bildungsbereich, im Kindergarten und in der Schule die Voraussetzungen für gemeinsame Erziehung und gemeinsames Lernen zu schaffen. So fördere Bethel mit anderen zusammen Verkehrsprojekte, damit Menschen mit Behinderungen besser den öffentlichen Nahverkehr nutzen können.

Als Zukunftsperspektiven für die v. Bodelschwinghschen Stiftungen nannte Pohl den Ausbau von Hospizarbeit und Palliativmedizin. Damit wolle Bethel "menschenwürdigere Verhältnisse am Ende des Lebens schaffen", sagte er. Bei ethischen Fragen an der Grenze des Lebens gebe es weiterhin Handlungsbedarf. In der Bildungsarbeit werde Bethel auch künftig besondere Angebote für schwerbehinderte Menschen bereitstellen. Ein weiterer zukunftsorientierter Bereich sei die Entwicklung von Technologien, die das Leben von behinderten oder pflegebedürftigen Menschen erleichtern, gemeinsam mit anderen Forschungsträgern, ergänzte Pohl.

epd-Gespräch: Holger Spierig