Kultur
Beethoven-Haus kann Original-Notenhandschrift vervollständigen
Deckblatt zu "Diabelli-Variationen" erworben
Bonn, Berlin (epd). Das Bonner Beethoven-Haus kann acht Jahre nach dem Ankauf der 45 originalen Notenblätter von Beethovens "Diabelli-Variationen" die Handschrift vervollständigen. Das bis dahin fehlende Titelblatt konnte nun angekauft werden, teilte die Kulturstiftung der Länder am Mittwoch in Berlin mit. Das Museum in dem Bonner Geburtshaus des Komponisten Ludwig van Beethoven (1770-1827) erhielt bei dem Kauf des Titelblattes zum Opus 120 neben der finanziellen Unterstützung durch die Stiftung auch Spenden durch den Pianisten András Schiff, den Dirigenten Daniel Barenboim und die Geigerin Anne-Sophie Mutter.

Das Deckblatt zu insgesamt 33 Klaviervariationen über ein Thema ist im Gegensatz zu anderen zeitgenössischen Titelblättern nicht mit Putti oder Schnörkeln verziert. Vielmehr handele es sich bei dem Cover um ein musikhistorisches wertvolles Objekt, das knapp, aber beredt über die Entstehungs- und Editionsgeschichte des Zyklus Auskunft gebe, erklärte die Kulturstiftung. Auf schlichtem Notenpapier nennt Beethoven den Titel der Variationen "Veränderungen" und vermerkt sich selbst als Urheber der Komposition. In Rot setzte später Aloys Fuchs, ein bedeutender zeitgenössischer Sammler von Autographen, hinzu, dass die "Uiberschrift" von "Beethovens eigener Hand" stamme. Auch fügte Fuchs die Opus-Zahl hinzu.

Die Stellung des Blattes in Fuchs' Sammlung werde die Forschung ebenso beschäftigen wie die Erkenntnis, dass Beethoven für sein zwischen 1819 und 1823 entstandenes Spätwerk den deutschsprachigen Begriff "Hammer-Klavier" dem italienischen "Piano Forte" vorzog, hieß es. Dies habe aber der Noten-Verleger Anton Diabelli trotz aller Verehrung für Beethoven nicht mehr berücksichtigen können.

Diabelli war es, der Beethoven eigentlich dafür gewinnen wollte, für einen Sammelband neben 49 anderen Komponisten eine Walzervariation zu komponieren, wie die Kulturstiftung erläuterte. Beethoven lehnte dankend ab, denn ein derartige Sammelauftrag war unter seiner Würde. Doch gefiel ihm das musikalische Thema, und die Aussicht auf eine Einzelveröffentlichung und ein angemessenes Honorar brachten Beethoven zur Niederschrift von gleich 33 Variationen, die als sein letztes großes Klavierwerk gelten.