Kirche
Von der "Standesvertretung" zum "Berufsverband"
Der Badische Pfarrverein besteht seit 125 Jahren
Karlsruhe, Heidelberg (epd). Der badische Pfarrverein sah sich von Anfang an nicht als gewerkschaftliche Vertretung. Er wollte sich vielmehr um "die Pflege der Einigkeit des Pflicht- und Standesbewusstseins, Wahrnehmung der Standesehre sowie der sozialen Stellung des geistlichen Standes" kümmern. "Seit 125 Jahren ist der Pfarrverein für badische Pfarrerinnen und Pfarrer und deren Familien aktiv", sagt der heutige Pfarrvereinsvorsitzende Matthias Schärr von der Evangelischen Stadtmission Heidelberg.

Aktuell hat der Verein 1.840 Mitglieder. Schon die Gründer habe der Gedanke geleitet, "dass Brüder und später auch die Schwestern einander in ihrem Dienst, aber auch ganz konkret in persönlichen Notlagen gegenseitig hilfreich zur Seite stehen", sagt Schärr. Dazu zählen bis heute Themen und Probleme rund um das Leben im Pfarrhaus, das Verhältnis zum Dienstherrn, die Absicherung in Notsituationen oder die Arbeitszeit.

Zwar sollte der 1890 gegründete Verein laut Statuten auch für die "Hebung der materiellen Lage der Geistlichen" sorgen. Schließlich sollte die Angleichung der Pfarrgehälter an Berufsstände gleicher Vorbildung noch jahrelang eine unerfüllte Forderung des Pfarrerstandes bleiben. Aber als "Pfarrergewerkschaft, der es nur um die Durchsetzung der eigenen Interessen ging, hat sich der Pfarrverein in den letzten 100 Jahren nie gefühlt", schrieb der ehemalige Kirchenrat Gerhard Wunderer in der Festschrift zum 100-jährigen Bestehen des Vereins im Jahr 1992.

Zu den drängenden Themen gehörte über die gesamten 125 Jahre auch die Gesundheit der Pfarrerinnen und Pfarrer. Zusammen mit den Landeskirchen in Württemberg und Bayern unterhält die badische Landeskirche heute etwa das Haus "Respiratio" auf dem Schwanberg in Unterfranken bei Kitzingen. Dort können Theologen etwa bei Burnout-Symptomen therapeutisch betreut werden.

"Der Pfarrverein diente von Anfang an dem Ziel, Brüder und Schwestern untereinander zu verbinden", erzählt Schärr. Nicht zuletzt die Pfarrvereinsblätter sind dazu da. Um die theologische Reflexion und Fortbildung kümmerte sich anfänglich der bereits 1865 gegründete "Wissenschaftliche Predigerverein". 1941 wurde er mit dem Pfarrverein vereinigt.

Nach dem Krieg wurden aus den jährlichen Vereins-Hauptversammlungen die Pfarrertage. "Sie nehmen immer auch ein aktuelles theologisches oder gesellschaftliches Thema auf", sagt Schärr. Derzeit gehe es beispielsweise darum, "in die Öffentlichkeit zu gehen und wegzukommen von der Komm-Struktur".

"In den 70er Jahren entstand aus dem Pfarrverein heraus die Pfarrvertretung", sagt Schärr. Sie habe sich seitdem als Gesprächspartner profiliert in Fragen, die den Pfarrberuf betreffen, und werde inzwischen bei dienstrechtlichen Gesetzesvorhaben einbezogen.

Wenn die Mitglieder je in finanzielle Not geraten, etwa aus gesundheitlichen Gründen, können sie finanzielle Hilfe beim Pfarrverein beantragen. Bereits 1922 wurde eine "Pfarrerkrankenkasse" gegründet, die dann als "brüderliche Nothilfe" bei der Finanzierung von Kosten im Krankheitsfall aushalf. "Der Krankenhilfe, aber auch der standesrechtlichen Arbeit des Pfarrvereins ist es zu verdanken, dass dem Badischen Pfarrverein seit Jahrzehnten über 90 Prozent der badischen Pfarrerschaft angehören", betont Schärr.

Der Verein wird als Berufsverband geschätzt, sagt auch Schärrs Vorgänger Traugott Schächtele. Mitglieder suchten Rat beim Vorsitzenden oder in der Geschäftsstelle zu vielen Themen, weiß Schächtele. Viele der Themen beschäftigen ihn auch als nordbadischer Prälat, als der er auch "Seelsorger der Seelsorger" ist.

Der Verein habe seine Rolle gewandelt von der "Standesvertretung" zum "Berufsverband", sagt der Prälat. Seit 2015 ermöglicht er seinen Mitgliedern auch einen Tag "Kontaktstudium" jährlich als Mitveranstalter des "Dies Academicus" der Heidelberger Theologischen Fakultät. Ein aktuelles Thema ist zudem, theologischen Nachwuchs zu gewinnen. (2084/13.10.2017)

epd lbw rik dsq

Von Ralf Schick (epd)