Kirche
Streit um Homosexualität erreicht württembergische Kirchenleitung
Stuttgart (epd). Der Bischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Frank Otfried July, hat sich im Streit um die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare mit einem Brief an die Mitglieder der Landessynode gewandt. Dort ruft er alle Beteiligten auf, sich an getroffene Absprachen zu halten. July gab in dem Schreiben bekannt, dass die Stuttgarter Regionalbischöfin Gabriele Arnold in diesem Jahr die Schirmherrschaft über den Stuttgarter Christopher-Street-Day übernimmt, bei dem für Toleranz gegenüber Homosexuellen geworben wird. Diese Schirmherrschaft sei nicht mit dem Kollegium der Kirchenleitung, zu der auch Arnold gehört, abgesprochen gewesen, betonte July.

Die Evangelische Landeskirche in Württemberg ist die einzige unter den 20 Landeskirchen in der EKD, in der gleichgeschlechtliche Paare nicht öffentlich gesegnet werden können. Die Landessynode will sich mit dem Thema bei ihrer Herbsttagung erneut beschäftigen. Zuvor wird sich das "Kirchenparlament" bei einem Studientag am 24. Juni in Bad Boll noch einmal mit dem Für und Wider zur Homo-Segnung befassen.

"Frau Prälatin Arnold bedauert, dass unbeabsichtigter Weise der Eindruck entstanden ist, dass sie den Entscheidungsprozessen der Landessynode zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt hat. Sie will zu dem Gelingen dieses Prozesses künftig beitragen", schreibt der Bischof. Ihr Engagement für Homosexuelle könnte "weitere Polarisierungen und Emotionalisierungen hervorrufen", befürchtet July.

Vor einer Woche hatte Arnold in "Stuttgarter Nachrichten" und "Stuttgarter Zeitung" für eine Öffnung ihrer Landeskirche für die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare geworben. Ohne diese Öffnung würde die Kirche beschädigt. "Ich lasse mir keinen Maulkorb verpassen", zitierten die beiden Zeitungen damals die Regionalbischöfin.

Die Äußerungen stießen auf heftige Kritik des größten Gesprächskreises der Landessynode, der "Lebendigen Gemeinde". Der EKD-Synodale und frühere württembergische Synodale Steffen Kern nannte Arnolds Verhalten "dienstrechtlich nicht akzeptabel" und "biblisch-theologisch fragwürdig". Offensichtlich wollten einige auf die Landessynodalen Druck ausüben und sich selbst öffentlich als Modernisierer stilisieren, so Kern. Der Gesprächskreis "Offene Kirche" solidarisierte sich hingegen mit Arnold. (1265/05.06.2017)

epd lbw moc as