Kirche
Scharfe Töne im Streit um Katholikentagsauftritt von AfD-Politiker
Berlin, Stuttgart (epd). Im Streit um seinen geplanten Auftritt beim Katholikentag in Münster wirft der kirchenpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Volker Münz, den Amtskirchen die Diffamierung seiner Partei vor. "Natürlich ist mir bewusst, dass es innerhalb und außerhalb meiner Partei einzelne Leute gibt, die im Namen der AfD Dinge sagen, die als generelle Stimmungsmache gegen Migranten verstanden werden können", sagte der baden-württembergische Bundestagsabgeordnete der Tageszeitung "Die Welt": "Dies lehne ich entschieden ab, und ich fordere, dass in der AfD hier genauer auf den Sprachgebrauch geachtet wird. Genauso lehne ich es aber ab, wie die AfD von den Amtskirchen diffamiert wird."

Münz ist Teilnehmer eines Katholikentag-Podiums am 12. Mai unter dem Titel "Nun sag', wie hast du's mit der Religion? Die Haltung der Bundestagsparteien zu Kirche und Religion in Staat und Gesellschaft". Weitere Teilnehmer sind religionspolitische Sprecher oder Experten der Bundestagsfraktionen von Union, SPD, FDP, Grünen und Linkspartei. Münz' Teilnahme ist innerhalb der katholischen Kirche umstritten. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, verteidigte die Einladung des AfD-Vertreters in der "Welt" erneut.

"Man kann nicht so tun, als wäre die AfD im Bundestag nicht vorhanden", sagte Sternberg. Die geplante Veranstaltung sei "kein AfD-Podium, sondern eine Diskussion darüber, was die im Bundestag vertretenen Parteien über das Verhältnis von Religion, Staat und Gesellschaft sagen". Die politischen Positionen der AfD kritisierte der ehemalige CDU-Landtagsabgeordnete in Nordrhein-Westfalen indes scharf: Die Partei geriere sich "Verteidigerin des christlichen Abendlandes", befinde sich aber mit ausgrenzenden Positionen "im fundamentalen Widerspruch zum christlichen Menschenbild".

Münz sagte: "Viele in den Kirchen und fast alle in deren Spitzengremien setzen sich auf ein hohes moralisches Ross." In der Zuwanderungspolitik habe es nichts mit Rassismus zu tun, dass die AfD eine Politik der offenen Grenzen für falsch halte.

Traditionell stellen sich auf Katholiken- und Kirchentagen Politiker aktuellen Diskussionen mit Vertretern der Kirchen und der Zivilgesellschaft. Auf dem Katholikentag in Leipzig vor zwei Jahren war die AfD noch unerwünscht. Beim evangelischen Kirchentag im Mai 2017 in Berlin hatte eine Podiumsdiskussion mit der damaligen AfD-Politikerin Anette Schultner, die die Partei mittlerweile verlassen hat, und dem Berliner evangelischen Bischof Markus Dröge auf dem Programm gestanden. Der 101. Deutsche Katholikentag findet vom 9. bis zum 13. Mai in Münster statt. (0744/06.04.2018)

epd lbm/bas leo cr