Kirche
Osterpredigten: "Der Tod singt nicht die letzte Strophe"
Bischöfe im Südwesten werben für lebensfreundliche Politik
Stuttgart, Freiburg, Karlsruhe (epd). Die Osterpredigten der Bischöfe in Baden-Württemberg haben Aufrufe für Solidarität unter den Menschen, gewaltfreie Lösungen von Konflikten und persönliche Aufbrüche bestimmt. Das Osterfest stellt nach Überzeugung des Bischofs der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Frank Otfried July, durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten das neue Leben in den Mittelpunkt. "'Spiel‘ mir das Lied vom Tod' hat seit Ostern ausgepfiffen - der Tod singt nicht die letzte Strophe", sagte July in der Stuttgarter Stiftskirche. Der Bischof mahnte, der "verführerischen Melodie" des Lieds vom Tod im Umgang mit werdendem und endendem Leben nicht weiteren Raum zu geben.

Gegen Terrorismus und unverantwortliche Atomdrohungen durch Diktatoren und Politiker stehe die Auferstehungsbotschaft von Jesus Christus, die Kraft zu Versöhnung und Neubeginn habe. Mit dem Wandel vom Tod zum Leben sei eine neue Zeit angebrochen. Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Hoffnung und Erlösung seien die Zeichen der neuen Melodie von Ostern, unterstrich July.

Der Bischof der katholischen Diözese Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst sagte, dass Ostern dazu ermutige, Bosheit und Gewalt zu widerstehen und die Menschen zu lieben. "Es lohnt sich zu lieben, denn auf der Seite der Liebenden steht Gott, der uns treu ist durch Scheitern und Tod hindurch", sagte er im Rottenburger Dom. Jesu ermutigende Worte und heilsame Taten seien Grund, "sich zu begeistern für diesen attraktiven Menschen". Fürst erinnerte an die gegenwärtigen Krisen und Kriege in der Welt. Die Kraft, sie zu überwinden, könne aus dem Glauben an Gottes Treue bis in den Tod und an die Auferstehung kommen. Jesus selbst habe auf diese Kraft gesetzt; er habe sich nicht aus Sorge um sein eigenes Wohlergehen herausgehalten aus ungerechten und menschenverachtenden Verhältnissen, sondern sich in Liebe hingegeben, erklärte Fürst.

Wie Erzbischof Stephan Burger bei seiner Osterpredigt im Freiburger Münster hervorhob, werde die Auferstehungshoffnung von Ostern in tätiger karitativer Hilfe sichtbar. Wer in inniger Beziehung zu Jesu stehe, könne sich mit dem Leid undd er Not anderer Menschen nicht abfinden, sagte der katholische Theologe. Ein Beispiel für diese Hilfe geben Burger zufolge Christen und Muslime in Syrien. Nach seinen eigenen Erfahrungen bei einer Syrienreise sei es unverstellbar und verantwortungslos, "Menschen einfach dorthin zurückzuschicken und sie so ihrem Schicksal zu überlassen", betonte Burger.

Der Bischof der Evangelischen Landeskirche in Baden, Jochen Cornelius-Bundschuh, sieht in der Osterbotschaft einen Grund zur Freude. "Gott schreibt keinen Menschen ab", sagte er in einem Gottesdienst zur Wiedereinweihung der Auferstehungskirche in Überlingen am Bodensee. Auch Kranke oder Menschen über 50, die auf dem Arbeitsplatz wenig Chancen hätten, würden durch die biblische Botschaft ermutigt. Cornelius-Bundschuh kritisierte in seiner Predigt deutsche Waffenlieferungen an Konfliktparteien in Syrien und im Jemen. "Wir profitieren davon, dass woanders Krieg geführt wird", sagte er. In einer Osterbotschaft rief der Bischof die Bundesregierung auf, "mutiger zu sein und keine Kriegsschiffe nach Saudi-Arabien zu liefern". Ein "Sieg gegen die Mächte des Todes" könne nicht auf dem Schlachtfeld gewonnen werden. Denn dadurch bekomme der Kreislauf der Gewalt immer neuen Schwung und werde der Hass nur wieder neu angeheizt, sagte der evangelische Theologe. (0718/02.04.2018)

epd lbw moc/leo as