Soziales
Mit Forschung gegen Fachkräftemangel in der Pflege
Neues Projekt soll Unterversorgung von Senioren verhindern
Esslingen, Stuttgart (epd). Vier baden-württembergische Hochschulen haben sich zusammengeschlossen, um Strategien gegen den Fachkräftemangel in der Pflege zu finden. Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) übergab in Esslingen für dieses Forschungsprojekt einen Förderbescheid über 1,43 Millionen Euro vom Land und der Europäischen Union. Sie wies darauf hin, dass die Zahl der Pflegebedürftigen im Südwesten von derzeit knapp 300.000 bis zum Jahr 2030 auf über 400.000 steigen werde. Diesem Trend stehe kein entsprechender Anstieg an Pflegekräften gegenüber.

Das auf drei Jahre angelegte Projekt will Antworten darauf finden, wie sich Mitarbeiter in Pflegeberufen halten lassen, wie die Branche insbesondere für junge Menschen attraktiver wird, wie sich Pflegekräfte im Ausland anwerben lassen und wie neue Zielgruppen für einen Pflegeberuf gewonnen werden können. Außerdem soll es um Strategien gehen, die Menschen auch im Alter ein selbstbestimmtes Leben in vertrauter Umgebung ermöglichen.

Am Projekt beteiligt sind die Hochschulen Esslingen und Ravensburg-Weingarten sowie das Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung Tübingen und die Katholische Hochschule Freiburg. Als Praxispartner stehen das Welcome Center des Diakonischen Werks Württemberg und die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege zur Verfügung.

Die stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werks Württemberg, Eva-Maria Armbruster, sagte, dass die Pflegefachschulen seit Jahren volle Klassen hätten. Viele Pflegekräfte stiegen aber nach wenigen Berufsjahren wieder aus. Auch werde es immer schwerer, geeignete Führungskräfte in der Pflegebranche zu finden. Armbruster betrachtet als einen Grund für Mitarbeiterprobleme in Pflegeeinrichtungen eine "Renditeorientierung", die immer mehr Einzug halte. Es herrsche eine "schleichende Vorherrschaft der Ökonomie".

Die Sprecherin des Forschungsverbunds, Karin Reiber von der Hochschule Esslingen, wies auf bereits bestehende Versorgungslücken in der Pflege hin. So müssten mangels Pflegekräften Stationen in Akutkrankenhäusern geschlossen werden. Neu erbaute Pflegeheime könnten in Einzelfällen nicht öffnen. Die massive Arbeitsbelastung und -überlastung des Pflegepersonals sowie die geringe gesellschaftliche Anerkennung dieses Berufszweigs müssten überwunden werden, forderte sie. (1351/19.06.2017)

epd lbw moc dsq