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Mesale Tolu war eine von mehreren deutschen Inhaftierten in der Türkei.
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Mesale Tolu: "Ich erwarte einen Freispruch"
Istanbul, Ulm (epd). Die in der Türkei wegen Terrorismus angeklagte deutsche Journalistin Mesale Tolu sieht ihrem Prozess am 26. April in Istanbul zuversichtlich entgegen. "Ich erwarte für mich einen Freispruch", sagte die gebürtige Ulmerin dem Evangelischen Pressedienst (epd). Jedoch werde eine Entscheidung nicht so schnell kommen. "In der Türkei ist die Justiz ziemlich langsam, vor allem, weil so viele Menschen angeklagt und so viele inhaftiert sind", beklagte Tolu.

Die Journalistin war eine von mehreren deutschen Inhaftierten in der Türkei. Am 30. April 2017 war sie bei einer Razzia in ihrer Wohnung in Istanbul festgenommen worden und saß seit Anfang Mai in Untersuchungshaft. Ihr werden von der Türkei Terrorpropaganda und Mitgliedschaft in einer Terrororganisation vorgeworfen. Im Dezember wurde sie entlassen. Die deutsche Staatsbürgerin darf die Türkei nicht verlassen.

"Ich habe keine Angst, denn ich glaube, der Prozess wird sehr routiniert ablaufen", sagte Tolu. "Alles, was jetzt noch auf mich zukommen kann, schüchtert mich nicht ein." Sie sei acht Monate für etwas eingesessen, was sie nicht getan habe: "Auch wenn ich einen Freispruch bekomme, wurde ich eigentlich im Voraus bestraft."

Für die Zukunft der türkischen Presse malt Tolu ein düsteres Bild: Der Journalismus werde auf Linie der Regierung gebracht. Die Medien, die sich kritisch äußerten, würden geschlossen. Die Internetzensur stehe vor der Tür. "Das Informationsrecht des Volkes wird gekappt. Von Presse- und Meinungsfreiheit kann man eigentlich nicht mehr reden", sagte Tolu, die vor ihrer Verhaftung für die linke Nachrichtenagentur Etkin News Agency (Etha) gearbeitet hat.

Es gebe zwar eine Tradition der freien Presse in der Türkei, aber es werde immer schwerer für Medien: Indem man ihnen zum Beispiel Druckereien wegnehme, werde versucht, ihnen ihre Arbeitsgrundlage zu nehmen. Erst kürzlich wurde in der Türkei die Dogan-Medien-Gruppe an die Demirören-Gruppe verkauft, die für ihre Nähe zu Staatspräsident Erdogan bekannt ist. 2019 finden in der Türkei Präsidentschafts- und Parlamentswahlen statt. (0736/05.04.2018)

epd lbw/bas cr

epd-Gespräch: Elisa Makowski