Kirche
Kirchliches Arbeitsrecht: Badische Synode hält am "Dritten Weg" fest
Entscheidungen sollen transparenter werden
Bad Herrenalb (epd). Die Evangelische Landeskirche in Baden hält am bisherigen kirchlichen Arbeitsrecht, dem sogenannten "Dritten Weg", fest. "Nach eingehender Beschäftigung mit dem Arbeitsrecht hat sich die Synode dafür entschieden, am bewährten Konsensmodell des 'Dritten Weges' im Sinne einer Dienstgemeinschaft festzuhalten", erklärte Synodalpräsident Axel Wermke auf der Frühjahrssynode der badischen Landeskirche in Bad Herrenalb.

Die Synodalen forderten allerdings die Kommission dazu auf, ihre Entscheidungen transparenter zu machen. Eine neu eingerichtete Ombudsstelle ist künftig für Beschwerden von Mitarbeitenden zuständig. Geplant ist, dass der Evangelische Oberkirchenrat und das Diakonische Werk bei der Frühjahrstagung der Landessynode 2020 über ihre Erfahrungen mit den Neuregelungen berichten.

Im Unterschied zum Tarifvertragssystem in der Wirtschaft und im Öffentlichen Dienst, dem sogenannten "Zweiten Weg" werden Löhne und Gehälter bei den Kirchen in Arbeitsrechtlichen Kommissionen ausgehandelt. Diese sind mit Vertretern von Arbeitnehmern und Arbeitgebern paritätisch besetzt. Beim "Dritten Weg" sind Streiks und Aussperrungen verboten. Der "Dritte Weg" hat in den vergangenen Jahren zu heftigen Debatten innerhalb und außerhalb der Kirchen geführt. Infrage steht, ob unter dem zunehmenden ökonomischen Druck auf die kirchliche soziale und karitative Arbeit die einvernehmliche Lohnfindung noch möglich ist.

Außerdem hat die Landessynode finanzielle Mittel für die kirchliche Arbeit in neuen Stadtquartieren zur Verfügung gestellt. Bis zu 1,65 Millionen Euro können Kirchengemeinden mit starkem Zuzug in den nächsten Jahren bewilligt werden. "Mit innovativen Konzepten, kreativer Gebäudeplanung und gut ausgebildetem Personal möchten wir als Kirche in den Zuzugsgebieten präsent sein", erklärte der Synodale Joachim Buchert (Heidelberg). Dabei solle auch auf eine gute ökumenische Zusammenarbeit geachtet werden.

In diesem Frühjahr beginnt die Evangelische Landeskirche in Baden zwei Berufsbildprozesse. Die Profile der Pfarrer und Gemeindediakone sollen bis 2020 geschärft werden. "Die Berufsbilder haben sich in den letzten 30 Jahren stark gewandelt", erklärte Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh. Zum einen sei die Arbeitsbelastung stark gestiegen, zum anderen seien auch die fachlichen Anforderungen gewachsen.

"Zudem werden beide Berufe in ihrem Selbstbild belastet", sagte der Landesbischof. Die öffentliche Wahrnehmung der Kirche sei ambivalent, sie schwanke zwischen Bedeutungsverlust und Gleichgültigkeit auf der einen Seite und hoher Erwartung in Blick auf Integration und Wertevermittlung auf der anderen Seite.

Auf Regionaltagen sollen sich daher beide Berufsgruppen darüber austauschen können, unter welchen Bedingungen sie "fachlich gut, geistig getragen und persönlich gerne und wohlbehalten" tätig sein können. Die Ergebnisse dieser Regionaltage sollen gebündelt und in Fachausschüssen zu Vorschlägen für konkrete Maßnahmen weiterentwickelt werden. Denkbar sei zum Beispiel, dass sie Verwaltungsaufgaben abgeben.

Die Landessynode ist am Samstag zu Ende gegangen. Sie ist das Kirchenparlament von mehr als 1,17 Millionen badischen Protestanten von Wertheim im Norden bis zum Bodensee im Süden. Sie verabschiedet die Kirchengesetze, beschließt den Haushalt, entscheidet in Personalfragen und wählt den Landesbischof. (0882/22.04.2018)

epd lbw leo cr