Kultur
Ein farbiges Symbol gegen Abschottung: "Kein Haus für alle"
© epd-Bild: Ekart Kinkel
Kein Haus für Alle
Zwei Künstlerinnen und Flüchtlinge schaffen ein Symbol gegen Abschottung und Abschiebung
Karlsruhe (epd). Ein fünf Meter hohes, rot-weißes Haus zwischen Schloss und Bundesverfassungsgericht ist bis zum 23. Juni das deutlich sichtbare Wahrzeichen der baden-württembergischen Heimattage in Karlsruhe. Die Kunstinstallation "Kein Haus für Alle" besteht aus mit Absperrband umwickelten Metallgittern und wurde am Freitag von den beiden Karlsruher Künstlerinnen Ulrike Israel und Bernadette Hörder sowie zahlreichen Flüchtlingen aus der Landeserstaufnahmestelle errichtet.

"Die Gitter und das Absperrband in einem Haus ohne Fenster und Türen sind Symbole gegen die derzeitige europäische Abschottungspolitik und willkürliche Abschiebungen", betonten die Künstlerinnen. Seit drei Jahren organisiert das Duo gemeinsam mit den freiwilligen Helfern der Evangelischen Stadtkirche Karlsruhe einen regelmäßigen Treff für Flüchtlinge, und in dieser Zeit haben sie eine Veränderung im Umgang der Politik mit den Menschen aus Krisenländern ausgemacht.

"Die anfängliche Welle der Willkommenskultur gegenüber den Asylsuchenden ist mittlerweile leider merklich abgeebbt und selbst integrationswillige Menschen aus dem Irak oder Afghanistan werden trotz guter sozialer Perspektiven abgeschoben", sagt Ulrike Israel.

Mit der Installation des Kunstwerks im Rahmen der Heimattage wollen Ulrike Israel und Bernadette Hörder deshalb zum Nachdenken und Umdenken anregen. "Die Politik sollte die Chance ergreifen und gerade Menschen mit einer Ausbildung in Mangelberufen eine Bleibeperspektive bieten", so Israel.

Das gemeinsame Arbeiten und der Austausch zwischen ehrenamtlichen Helfern und den geflüchteten Hilfesuchenden blieben aber das "Herzstück dieses Projekts", stellt Ulrike Israel fest, "denn dadurch werden Berührungsängste abgebaut und die Integration erleichtert".

Immer Freitags gehen die Projekttreffen im Gemeindezentrum der evangelischen Stadtkirchengemeinde über die Bühne, und teilweise versammeln sich dann bis zu 100 Leute im großen Saal des Hanns-Löw-Hauses in der Karlsruher Innenstadt. Die künstlerischen Arbeiten wie das Umwickeln der Metallgitter mit den rot-weiß gestreiften Kunststoffbändern sind dabei nur ein Aspekt der regelmäßigen Zusammenkünfte.

An langen Tischreihen erhalten zudem Flüchtlingskinder aus aller Herren Länder Hausaufgabenhilfe, in der kleinen Küche bereiten Flüchtlinge landestypische Spezialitäten für das gemeinsame Abendessen zu und auch bei alltäglichen Problemen sowie den regelmäßigen Behördengängen erhalten die Flüchtlingsfamilien tatkräftige Unterstützung. Ohne die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer von den Kirchengemeinden sei ein derartiges Projekt nicht möglich gewesen, stellen Ulrike Israel und Bernadette Hörder klar, "denn für ein solches Unterfangen braucht es einen Ort der Begegnung".

Weil die Nachhaltigkeit bei den beiden Initiatorinnen oberste Priorität genießt, ist "Kein Haus für alle" auf drei Jahre angelegt. Finanziert wird das Projekt von der Stiftung Kinderland Baden-Württemberg, Träger ist die Kinder-Stadtkirche Karlsruhe. Welches Kunstwerk sie nach dem Ende der Heimattage mit dem Flüchtlingen schaffen werden, wollen Ulrike Israel und Bernadette Hörder im Herbst entscheiden.

Bereits im vergangenen Jahr haben beide mit den "Lebensleitern" ein ähnliches Projekt verwirklicht. Die gemeinsam mit Flüchtlingen gefertigten 15 Meter langen Strickleitern wurden dann anlässlich des 200-jährigen Bestehens der Stadtkirche Karlsruhe unter dem Kirchendach aufgehängt und waren dort wochenlang der Blickfang für die Kirchenbesucher. (1249/02.06.2017)

epd lbw eki as

Von Ekart Kinkel (epd)

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