Soziales
Kaum Kirchenasyl in Baden-Württemberg
Stuttgart, Karlsruhe (epd). In Baden-Württemberg gibt es extrem selten Kirchenasyl. Eine Umfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) bei den beiden evangelischen Landeskirchen und den zwei katholischen Diözesen hat ergeben, dass derzeit nur vier Fälle bei den Kirchenleitungen bekannt sind - in jeder Kirche einer. Zum Vergleich: Beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge waren von Januar bis September bundesweit insgesamt 1.126 Fälle von Kirchenasyl gemeldet worden.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) macht die baden-württembergische Härtefallkommission für die niedrigen Zahlen verantwortlich. Die Kommission arbeite offenbar so wirkungsvoll, "dass es zu Kirchenasyl wenig Anlass gibt", sagte Kretschmann dem epd. Eine andere Erklärung habe er nicht.

Auch bei den Landeskirchen und Diözesen ist man unsicher, warum im Südwesten so selten zum Instrument des Kirchenasyls gegriffen wird. Uwe Renz, Pressesprecher des Bistums Rottenburg-Stuttgart, vermutet, dass sich manche Kirchenasyle durch vorherige fachanwaltliche Beratung vermeiden ließen. Doris Banzhaf vom Kommunikationszentrum der Evangelischen Landeskirche in Baden beobachtet, dass baden-württembergische Verwaltungsgerichte in vielen problematischen Fällen Überstellungen in die europäischen Einreiseländer der Asylsuchenden gestoppt hätten. (2552/06.12.2017)