Kultur
Ein spätgotisches Meisterwerk zum Leiden und Sterben Jesu präsentieren Theologen und Kunsthistoriker in Karlsruhe.
© epd-bild / Christine Suess-Demuth
"Karlsruher Passion" erzählt eindringlich vom Leiden Jesu
Kunsthistoriker und Theologen präsentieren spätgotisches Meisterwerk
Karlsruhe (epd). Der unbekannte Meister der "Karlsruher Passion" erzählt das Leiden und Sterben Jesu sehr eindringlich in sieben Bildtafeln. Die Werke gelten wegen ihrer Ausdruckskraft und der Detailliertheit als "Meilenstein spätgotischer Malerei". Unter dem Motto "Sieben Tafeln - sieben Tage" erläutern Kunsthistoriker und Theologen gemeinsam in speziellen Führungen die Bilder, die in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe zu sehen sind. In Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) steht ab dem Palmsonntag (25. März) täglich eine der um 1450/55 entstandenen Tafeln im Mittelpunkt.

Die an erzählerischen Details reiche Darstellung solle die christliche Heilslehre vermitteln, bei den Betrachtern Mitleid erwecken und zur Nachfolge Christi auf Erden bewegen, so die Kunsthalle. Literarische Quellen der expressiven Darstellungen seien etwa spätmittelalterliche Passionstraktate.

"Die Tafeln führen das Geschehen der Passion in außerordentlicher Eindringlichkeit vor Augen. So werden die biblischen Texte lebendig und fast körperlich erfahrbar", erklärt der Leiter des Bildungszentrums Karlsruhe, Tobias Licht, die Faszination der mittelalterlichen Kunstwerke. Die Intensität der Darstellung gebe ein sehr direktes Zeugnis von der tiefen Gläubigkeit des unbekannten Künstlers.

Über den vermutlich in Straßburg ansässigen Meister der erstaunlich gut erhaltenen Bilder ist allerdings nichts bekannt. Es könnte der zwischen 1422 und 1463 in Straßburg ansässige Künstler Hans Hirtz sein. Kunsthistoriker gehen davon aus, dass die Tafeln aus einem zehn- bis zwölfteiligen Bilderzyklus stammen. Grund dafür sei, so die Kunsthalle, dass im Unterschied zu üblichen Bildfolgen die Darstellung der Kreuzigung fehlt, dem zentralen Ereignis der Heilsgeschichte.

Christus am Ölberg, Gefangennahme, Geißelung, Dornenkrönung, Kreuztragung, Entkleidung und Kreuzannagelung: Sechs der 46 auf 67 Zentimeter großen Tafeln, Mischtechnik auf Nussholz, sind im Besitz der Kunsthalle. Die siebte Tafel, die die Gefangennahme Christi zeigt, ist eine langfristige Leihgabe aus der Sammlung des Wallraf-Richartz-Museums Köln. Ob es tatsächlich weitere Tafeln des Bildzyklus gibt, die ursprünglich für die Straßburger Stiftskirche St. Thomas gemalt wurden, ist nicht bekannt.

Der Bilder seien in einer glaubensstarken Zeit entstanden, in der die biblische Heilsgeschichte und das Leben der Heiligen noch ganz selbstverständlich im persönlichen Leben und in der Kultur präsent waren, sagt Licht. Der christliche Glaube wolle nicht nur "im Wort Geist und Denken ansprechen, sondern in der Vielfalt ästhetischer Vermittlung auch die Sinne".

Das ökumenische Angebot "Kunst und Kirche" erreiche auch zahlreiche Menschen, die sonst kaum Kontakt zu Glaube und Kirche haben. Es sei in den 1980er Jahren entstanden und hatte Licht zufolge über Karlsruhe hinaus eine Vorbildfunktion. Damals sei erkannt worden, in welch großem Umfang theologische Themen der Kunst verhandelt werden. Dies sei aber nicht nur in der christlichen Kunst des Mittelalters der Fall, sondern auch in der Gegenwartskunst. (0659/22.03.2018)

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Von Christine Süß-Demuth (epd)