Zu sehen sind gleich eingangs der Zyklus «Die Zeitlosen» mit 40 Menschenbildnissen, außerdem Landschaften, Porträts, Pflanzen, Tiere, Stillleben in Öl, Aquarell, Mischtechnik und auch als Betonstele. Die künstlerische Arbeit mit Beton, zu sehen etwa an der Autobahnkirche Baden-Baden, hat Wachter eben so berühmt gemacht wie seine eigenwillige Art, Stillleben zu gestalten, und seine Triptychen.
Die Ausstellung im Würth-Museum zeigt Schaffensweisen und Antriebskraft des Künstlers. So sind die Entstehungsskizzen zu Deckengemälden für die Kirche St. Martin in Ettlingen zu sehen und dazu Bilder der Umsetzung. Die Ausstellung bietet auch Informationen zur Biografie Wachters und zu seinen Werken im öffentlichen Raum seit den späten 1940er Jahren. Eines davon, ein Glasfenster von 2002, ist nur wenige Kilometer vom Museum entfernt in der Künzelsauer Johanneskirche zu sehen.
Aufschlussreich für das Verständnis der Werke ist auch ein Videofilm des Bayrischen Fernsehens zum 90. Geburtstag Wachters, der in der Ausstellung läuft. Wachter und seine Frau Pia schildern darin den Werdegang vom Bauernbuben, dessen Talent der Dorfpfarrer entdeckt und fördert, über die Konfrontation an der Karlsruher Kunstakademie mit der abstrakten Malerei bis zum freien Künstler. Die Familie mit vier Kindern zu ernähren war nicht immer leicht. Wachter im Film: «Es ging immer so, dass es grade reichte, ohne Konzessionen und Protektion - das wird einem aber auch nicht verziehen.» Er ist bewusst geistig unabhängig geblieben.
Diese Unabhängigkeit spricht aus jedem seiner Bilder. Er erlaubt sich Kritik. So würde sein «Dorfschulz» in Öl von 1964 nur bei einem sehr weltoffenen Dorfbürgermeister als Amtsporträt durchgehen. Die verwischten, groben Farbaufträge mit kräftigen Akzenten von Schwarzrot und Ferkelrosa lassen das Menschliche im Porträt nur noch rudimentär erkennen.
Im Video sagt Wachter, der katholische Theologie studiert hat, dass er das Bilderverbot in der Bibel sinnvoll findet. «Die Wirklichkeit können wir nicht festlegen - weder was Gott ist, noch was ein Baum ist; das Bild hat immer nur eine Zeit lang seine Gültigkeit.» Gott fasst er am liebsten als Wolke, ein Bild, das auch die Bibel verwendet. In der Ausstellung ist dies beispielsweise in «Noah redet mit Gott» zu sehen. Noah ist umgeben von einer roten Farbwolke.
Biblische Impulse gestaltet Wachter nicht nur für Kirchen. «Salomons Schuh» und andere seiner Werke sind auch für den privaten Bereich gedacht. Doch die Arbeit an Sakralbauten mach Wachter offensichtlich besondere Freude. So hat er die katholische St. Hedwig-Kirche in Karlsruhe-Waldstadt nicht nur bei ihrer Erbauung 1965 künstlerisch gestaltet, sondern hat sie 25 Jahre später auch neu überarbeitet. Auf der Basis seiner Kunst in Beton wurde sie nun farbig. Generell fällt in der Künzelsauer Ausstellung auf, dass die eher heiter lichtdurchfluteten Werke Wachters vorwiegend aus der jüngeren Zeit stammen. (0003/02.01.2012)

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