Kultur
Die sogenannte Schutzmantelmadonna von Hans Holbein dem Jüngeren (1497/98-1543) findet in der Johanniterkirche Schwäbisch Hall eine neue Heimat.
© epd-bild / Hans Kumpf
Holbein-Madonna bekommt neue Heimat in Schwäbisch Hall
Schwäbisch Hall (epd). Die sogenannte Schutzmantelmadonna von Hans Holbein dem Jüngeren (1497/98-1543), auch "Darmstädter Madonna" genannt, findet in der Johanniterkirche Schwäbisch Hall eine neue Heimat. Das Ölbild gilt als ein Hauptwerk der Renaissance und steht ab Sonntag im Mittelpunkt der Sammlung Alter Meister des Kunstmäzens und Unternehmers Reinhold Würth. Er hatte die säkularisierte Johanniterkirche in Schwäbisch Hall 2008 zum Museum für diesen Teil seiner Sammlung gestalten lassen.

Das Museum rechne "mit sehr viel Publikum" für die Madonna, sagte Museumsdirektorin C. Sylvia Weber am Freitag in Schwäbisch Hall. Zum Festakt am Sonntagabend werden über 2.000 Gäste erwartet. Das Werk von Hans Holbein d.J. gilt als nationales Kulturgut und sei "seit 1945 eines der teuersten Werke auf dem deutschen Markt", sagte Weber.

Das Werk war seit 2003 als Dauerleihgabe im Frankfurter Städelmuseum zu sehen, ehe es die Erbengemeinschaft von Prinz Ludwig von Hessen und bei Rhein veräußerte. Zuvor hatte es mehrere Versuche gegeben, das Bild für das Städel zu kaufen. Die Verhandlungen waren schließlich am hohen Preis gescheitert: 40 Millionen Euro sollen damals im Gespräch gewesen sein. Würth hatte daraufhin den Zuschlag zu einem höheren, nicht genannten Preis erhalten.

Weber sagte, die Verkäufer hätten gewünscht, dass das Bild öffentlich zugänglich bleibe. Eine Leihgabe an andere Museen sei möglich, und es gebe auch Anfragen. Doch das Bild solle "seine Heimat in Schwäbisch Hall" haben. Dazu wurde die Präsentation in der Johanniterkirche speziell gestaltet. Das Bild ist umgeben von Originalen und Kopien von Werken aus der Künstlerfamilie Holbein.

Beate Elsen-Schwedler, stellvertretende Museumsleiterin, erläuterte, dass die Schutzmantelmadonna ein künstlerisch hochwertiges und äußerst programmatisches Werk ihrer Zeit sei. Im Jahr 1526 hatte der katholische Bürgermeister von Basel, Jacob Meyer zum Hasen, das Ölbildnis in Auftrag gegeben, als er unter Korruptionsverdacht stand und den calvinistisch dominierten Rat der Stadt gegen sich hatte. Meyer zum Hasen ließ sich und seine Familie unter dem Schutz der Madonna darstellen, die zur Dokumentation ihrer Allmacht eine Krone im Stil Kaiser Karls V. trägt, wie Elsen-Schwedler erläuterte. (0131/20.01.2012)