Ethik
Anerkennung ausländischer Abschlüsse soll vereinfacht werden
Stuttgart/Bad Boll/Bochum (epd). Ausländische Abschlüsse sollen in Baden-Württemberg leichter anerkannt werden. Die Landesregierung plane ein Gesetz, das die Anerkennung internationaler Abschlüsse vereinfache, sagte Manfred Stehle (SPD), Amtschef des baden-württembergischen Ministeriums für Integration, laut Redemanuskript am Freitag bei der Tagung "Wie Integration gelingt" in der Evangelischen Akademie in Bad Boll. "Wir wollen endlich auch erreichen, dass Migranten auf dem Arbeitsmarkt die Chancen erhalten, die ihrem Bildungsniveau gerecht werden."

Die Gastarbeiter der ersten Generation hätten Deutschland mit aufgebaut und damit zum Wohlstand beigetragen. Jetzt sei die Politik in der Bringschuld, deren Enkelkindern die Integration in die Gesellschaft zu ermöglichen. Insbesondere Sprachdefizite, schulische Probleme und Schwierigkeiten bei der beruflichen Eingliederung seien ein Integrationshemmnis, betonte Stehle. Das Geld, das für Integration ausgegeben werde, sei gut angelegt. Die Kosten für mangelhafte oder gar gescheiterte Integration kosteten Deutschland laut einer wissenschaftlichen Studie rund 15 Milliarden Euro pro Jahr.

"Migranten sind keine Zootiere, die in Quarantäne gehören, und Deutschland ist kein Zoo, der andere Tiere vor Infektion schützen muss", sagte Thomas Eppenstein, Professor für Theorien Sozialer Arbeit und Erziehungswissenschaften an der Evangelischen Fachhochschule Bochum, laut einer Mitteilung der Akademie. Dieser Eindruck entstehe aber, wenn wie bisher Unterstützungsangebote erst dann griffen, wenn Menschen bereits lange im Land lebten. Es sei ein Wunder, dass trotz einer "über 40-jährigen Widerspenstigkeit der Politik", faktische Einwanderungsprozesse anzuerkennen, Integration weitgehend gelingen konnte, sagte Eppenstein mit Blick auf die ersten Jahrzehnte nach Beginn der Einwanderung in den 1950er Jahren.

Mit 1,28 Millionen Ausländern und 2,7 Millionen Einwohnern mit Migrationshintergrund ist Baden-Württemberg das Bundesland in Deutschland mit dem höchsten Anteil an Migranten. Jeder Dritte unter 18 Jahren hat einen Migrationshintergrund. Die Tagung veranstaltete die Evangelische Akademie Bad Boll mit dem Diakonischen Werk Württemberg und dem baden-württembergischen Ministerium für Integration. (2093/28.10.2011)