Ethik
Zwickauer Sozialarbeiter sehen ihre Stadt zu Unrecht stigmatisiert
Zwickau (epd). Nach den Enthüllungen um das Nazi-Trio sehen Zwickauer Sozialarbeiter ihre Stadt zu Unrecht stigmatisiert. Was so klingen mag, als grassiere eine "braune Gefahr", stelle sich viel differenzierter dar, heißt es in einem am Montag verbreiteten offenen Brief an Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD). Medienberichte und das Alltagserleben der Bürger stimmten nicht überein.

Zwickau stehe auf einem festen demokratischen Fundament, so die sechs Streetworker der Stadtmission, des Suchthilfeverbandes "Blaues Kreuz" und des Vereins "Gemeinsam Ziele erreichen". "Wir erleben nicht, dass die jungen Menschen dieser Stadt in Größenordnungen rechtsorientiert sind." Gleichwohl seien gewaltbereite Jugendliche mit fundierten rechten Meinungen zu beobachten.

Diese Probleme dürften aber nicht oberflächig und kurzatmig betrachtet werden, so die Sozialarbeiter. Eine Mahnwache, eine Demonstration oder ein Anti-Nazi Konzert wie zuletzt in Jena mit zehntausenden Zuhörern seien zwar wichtige Zeichen. Sie böten aber keine nachhaltigen Lösungen. Die Sozialarbeiter sprechen sich dafür aus, mit extrem denkenden Jugendlichen verstärkt ins Gespräch zu kommen. Dies sei deeskalierend und eine Chance für Verständigung und Veränderung.

Schulklassen sollten verstärkt historische Orte der Nazidiktatur aufsuchen oder das Berliner Holocaust-Mahnmal. "Hier geschieht Auseinandersetzung zum Thema und hier muss es Diskussionen geben, die Menschen reifen lassen", heißt es in dem Brief.

Ein Neonazi-Trio aus dem sächsischen Zwickau soll in den Jahren 2000 bis 2007 insgesamt zehn Menschen ermordet haben. Opfer waren Kleinunternehmer mit ausländischen Wurzeln sowie eine Polizistin. Der extremistische Hintergrund der Taten war von Verfassungsschutz und Polizei zunächst nicht erkannt worden. Zwei der mutmaßlichen Rechtsterroristen hatten sich Anfang November selbst getötet. Eine Komplizin der beiden Männer sitzt in Untersuchungshaft.

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