Noch nie sei so viel Geld von A nach B geflossen wie seit 1989 von den alten in die neuen Bundesländer. "Dass der Westen so viel angehäuften Reichtum reingepumpt hat in den Osten" sei notwendig gewesen, um dort die „blühenden Landschaften“ doch noch entstehen zu lassen. "Mir tun die 2.000 Milliarden Dollar gar nicht leid." Sie seien eine gute Investition in die Zukunft und mit Blick auf die gesamtdeutsche Nazi-Vergangenheit, "für die nur die Ostdeutschen gezahlt haben", ein "Triumph der Gerechtigkeit".
Allerdings habe die Wiedervereinigung einen "tragischen Nachteil". Wer Hilfe bekomme, werde leicht gedemütigt, vor allem, wenn diese Hilfe so gewaltig ist, dass man sich niemals wird revanchieren können. "Sowas macht giftig", betonte Biermann. "Der Beschenkte schämt sich, und diese Scham beschämt wiederum den Schenker." Das gebe es auch im privaten Bereich: "Man redet die genossene Hilfe erst klein und dann auch noch schlecht."
Der 1936 in Hamburg geborene Künstler, der im Alter von 16 Jahren in die DDR übersiedelte, lebt seit seiner Ausbürgerung 1976 wieder in der Hansestadt. Die Ostdeutschen hält Biermann nach wie vor für traumatisiert: "Es wäre ein Wunder, wenn sie es nicht wären, nach zwei Diktaturen, gleich nacheinander."
epd ost jh bue

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